-48- Und die Kleine?!

Vielleicht fragt ihr euch alle schon, wie geht’s ihr? Was macht sie so? Hat sie sich gut eingelebt? Kommen wir alle zurecht? Vieles möchte ich euch nun beantworten und erklären. Bald ist sie nun ein Jahr bei uns!

Unglaublich!

Das ist einfach immer wieder das Einzige, was mir dazu einfällt. Es ist unglaublich! Wir sind eine richtige kleine Familie und halten alle zusammen. Die Kleine ist absolut nicht mehr das Kind, welches es mal war und das eigentlich im Positiven. Natürlich hat sie auch schlechte Zeiten, gerade jetzt scheint sie in der sogenannten „Trotzphase“ zu sein, obwohl sie schon bald 6 Jahre alt wird. Aber naja gut, da müssen wir alle durch! Und das ist ja das Gute! Wir halten alle zusammen und lassen uns nicht von einer 5-jährigen rumkommandieren oder an der Nase herumführen.

Trotzdem hat sich aber sehr sehr viel ins Positive verändert! Es ist manchmal so unglaublich, dass M. und ich uns anschauen und uns fragen, ob das noch das selbe Kind ist?! Seitdem sie bei uns ist, wird viel mit ihr geredet und fast jeden Tag werden ein paar Vorschulübungen gemacht. Sie hatte große sprachliche Probleme und hing etwas in der Entwicklung zurück. Das konnten wir dann auch dem U-Heft entnehmen. Es ist echt krass, denn bei jeder der letzten 3 U-Untersuchungen waren nur schlechte Bemerkungen. Entwicklungsstörung, Sprachstörung, Konzentrationsstörung waren z.B. dabei. Ich fand das sehr heftig, denn schon nach der ersten U-Untersuchung wo das aufgefallen ist, sollte man sich doch darum kümmern oder sehe ich da was falsch?! Zumal wir auch damals ja gefordert haben, dass sie eine Sprachförderung bekommt, aber so richtig eine Besserung konnten wir nie feststellen.

Wir haben aber mit ihr geübt und als wir dann noch gerade rechtzeitig zur letzten U-Untersuchung gegangen sind, war der Kinderarzt überrascht. Er schaute sich das U-Heft an und machte dann nachher die Auswertung mit uns. Er konnte es gar nicht glauben, weil sie alle Übungen problemlos gemeistert hat. Sie musste ja auch schwierige Wörter nachsprechen und auch das klappte wunderbar. Ich mein es ist auch nicht so schwer, wenn man sich das U-Heft vorher anguckt. Da steht ja drin was das Kind können sollte und das haben wir halt vorher geübt. Ich konnte da Frau Ex nicht verstehen. Da stand dieses Mal z.B. dass das Kind ein Dreieck, Kreis und Quadrat erkennen und nachmalen können sollte. Und es ist doch nicht schwer, wenn man das einfach mit dem Kind auch übt, wenn es das nicht sowieso schon kennt. Naja jedenfalls hat die Kleine jetzt ihren ersten richtig guten Eintrag im U-Heft und der Kinderarzt sagt, dass sie ganz normal im nächsten Jahr zur Schule kann, wenn sie so weiter macht.

Die Kleine war auch selbst sehr glücklich und stolz. Sie findet es jetzt toll neue Dinge zu lernen und interessiert sich am Lernen. Sie war schon super stolz auf sich, dass sie gelernt hat Fahrrad zu fahren und jetzt im Sommer hat sie sogar auch das Schwimmen gelernt. Das ist für uns so unglaublich. Früher ist sie bei Frau Ex selten bzw. gar nicht schwimmen gegangen oder ist kaum Fahrrad gefahren. Und jetzt ist sie so stolz und glücklich, dass sie ein großen Mädchen wird und so vieles schon alleine kann.

Aber…

…es gibt auch schwierige Zeiten. Die Momente in denen sie ihre Mama vermisst. Von Anfang an haben wir diese Gefühle zugelassen und mit ihr gesprochen. Wir haben ihr nie das Gefühl gegeben, dass wir nichts davon hören wollen, weil wir ihre Mama nicht mögen oder sowas. Sie durfte weinen und wir haben sie getröstet. Von Monat zu Monat ist es jetzt immer etwas weniger geworden, aber die Gefühle sind halt doch noch da. Anfangs hat die Kleine sich selbst schlimme Vorwürfe gemacht und das mit 5 Jahren. Es hat mir jedes Mal das Herz zerrissen und innerlich wütend gemacht, wenn sie bitterlich geweint hat.

„Ich bin Schuld, dass Mama jetzt traurig und allein ist, weil ich gerne zu Papa wollte.“ „Mama hat gesagt, wenn ich mich entscheide, gibt es kein zurück mehr!“ „Ich bin hier so glücklich, aber ich glaube ich muss zurück zu Mama, weil sie ohne mich ja ganz alleine ist.“ „Sie hat gesagt, dass sie mich dann nicht besuchen kommt, wenn ich bei Papa bin.“ „Das ist alles meine Schuld!“

Verdammt nochmal sie ist ein Kind! Muss man einem Kind so ein schlechtes Gewissen einreden oder ihr das Gefühl geben, dass es ihre Schuld ist? Sie kommt da ja nicht von allein drauf und schon gar nicht mit 5 Jahren. Ich habe ihr jedes Mal wieder erklärt, dass sie ein Kind ist und weder die Schuld hat noch die Verantwortung daran trägt. Ich habe ihr auch erklärt, dass sie nicht verantwortlich für Mama ist. Mama ist erwachsen und trägt somit für ihr Verhalten und ihr Handeln auch selbst die Verantwortung. Die Kleine ist ja nicht dafür zuständig das Mama glücklich ist. Mittlerweile geht das aber auch schon mit den Schuldgefühlen.

Es wurde aber immer für ein paar Tage wieder schlimmer, wenn Post von Mama kam. Mittlerweile hat Frau Ex zwischenzeitlich 3 Pakete für die Kleine geschickt. Das erste kam kurz nach dem Schreiben von ihrer Anwältin, wo sie ja geschrieben hatte, dass sie nur noch Briefe oder Päckchen schicken will. Erst habe ich daran gar nicht so geglaubt bis dann das erste Paket da war. Die Oma der Kleinen hatte auch schonmal ein Paket geschickt und als ich das dann sagte, war die Freude riesig und sie wollte immer gleich alles aufreißen. Als ich aber dann sagt, dass ein Paket von Mama gekommen ist, zog sie nur ein komisches verwundertes Gesicht. Wir versuchten uns für sie zu freuen und ließen es auch so aussehen, obwohl wir selbst voller Spannung waren, was da nun wohl drin sein würde. Sie packte aus und es waren überwiegend Süßigkeiten und noch ein paar Bücher von ihr drin. Keine Karte, Kein Brief. Naja gut, das war für die Kleine jetzt nicht so der Hit. Zuerst war kurzzeitig das Süße interessant, aber das Paket ansich war schnell wieder vergessen. Dann kam nochmal zu Ostern ein Paket und im Sommer so zwischendurch. Da hatte sie sich schon etwas mehr gefreut zu hören, dass ein Paket von Mama gekommen ist, aber trotzdem war es irgendwie nie der Hit.

Es war auch Karten drin und natürlich haben wir die der Kleinen auch vorgelesen. Doch danach haben wir uns immer gefragt, ob irgendwas mit Frau Ex nicht stimmt. Die Kleine hatte allerdings immer nur gefragt, ob da auch steht wann Mama sie mal besuchen kommt?! Nein, da stand immer nur wie sehr sie die Kleine liebt und dass sie sie vermisst und stolz auf sie ist. Das letzte Paket war gefüllt mit Dingen, wo überall „Ich hab dich lieb“ oder „Ich liebe dich“ drauf stand. Dann war ein Licht drin und auf der Karte stand, dass Frau Ex hoffen würde, dass die Kleine mit dem Licht immer den Weg zu ihr finden würde. Ganz ehrlich?! Irgendwie hat das für uns immer einen komischen Beigeschmack! Die Kleine soll den Weg zu ihr finden? Sie liebt sie ja so sehr? Und auf der anderen Seite tut sie aber nichts weiter dafür um den Kontakt mit der Kleinen zu halten?! Also ich weiß ja nicht. Die Päckchen sind ja schön und gut, aber meistens habe ich eher das Gefühl, dass die Kleine mehr leidet wenn so ein Paket kommt als das sie einen positiven Nutzen davon hat. Sie weint oft danach und ist ein paar Tage aufgewühlt.

Wir wollen ja schon, dass sie Kontakt mit ihrer Mama hat. Aber wenn bis auf ein Paket alle paar Monate nichts weiter von ihrer Mutter kommt, dann kann sie meiner Meinung nach auch die Päckchen lassen wo der Pfeffer wächst. Vielleicht sehe ich das aber auch falsch, ich weiß es nicht.

Es fehlen einem einfach oft die Worte für die Gefühle und Fragen der Kleinen. Man kann ihr eben nicht alles so erklären wie es ist. Sie kann das noch nicht verstehen und verarbeiten. Wir geben unser Bestes für sie da zu sein und das sind wir alle! Meine Eltern, meine Oma, M. als Papa und ich, als Bonusmama Rose. Erst letztens hat sie uns alle gefragt, ob wir sie lieb haben. Da haben wir alle gesagt, dass wir sie sehr lieben und glücklich sind, dass sie hier bei uns ist. Dann hat sie gefragt, ob Mama sie auch lieb hat und wir haben gesagt, dass Mama sie auch lieb hat, weil sie das ja auch in den Karten aus den Päckchen geschrieben hat. Sie überlegte und sagte knallhart, dass wenn Mama sie lieb haben würde, dann würde sie sie auch besuchen kommen.

Und selbst das tut weh zu hören! Aber was sollen wir denn tun?! Wir können Frau Ex schlecht dazu zwingen die Kleinen besuchen zu kommen. Es ist halt für uns alle eine sehr schwierige Situation und das wird es sicherlich auch noch eine Weile bleiben. Jedoch schauen wir alle nach vorn und wollen das Beste daraus machen. Ich finde es aber auch sehr stark und schön, dass wenigstens die Oma und der Opa der Kleinen den Kontakt zu ihr halten, obwohl es ja die Eltern ihrer Mama sind. Sie telefonieren regelmäßig mit der Kleinen, fragen nach ihren Wünschen für z.B. Geburtstag und Weihnachten oder ob sie sonst etwas braucht an Klamotten und sie kommen sie halt besuchen. Demnächst machen sie dann wieder eine Woche Urlaub hier.

Also an sich finde ich, dass man schon sagen kann, dass die Kleine ein glückliches Kind ist. Immer mehr positive und schöne Tage, Wochen, Monate kommen dazu und die schlechten Tage werden immer weniger. Wir geben jedenfalls alles!

Liebe Grüße,
Rose

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