-45- Das Telefonat?!

Nachdem Frau Ex bei der Gerichtsverhandlung den Wunsch geäußert hatte mit klein M. zu telefonieren, wollten wir diesen auch umsetzen. Unsere Anwältin erzählte uns aber, dass Frau Ex sich noch einmal dazu melden würde und somit warteten wir ab.

Wie immer…

Am Mittwoch Vormittag bekamen wird dann eine E-Mail von unserer Anwältin. Manchmal weiß ich echt nicht mehr was ich dazu noch sagen soll. Da hatte Frau Ex ihrer Anwältin aufgetragen ein Schreiben an unsere Anwältin zu schicken, damit unsere Anwältin uns mitteilt, dass sie um eine bestimmte Uhrzeit auf eine bestimmte Telefonnummer von klein M. angerufen werden will. Alles klar! Sie hätte ja auch einfach einen von uns anrufen können und wir hätten der Kleinen dann das Telefon gegeben, aber ok?! M. und ich freuten uns schon darauf, dass es wohl nun immer so ablaufen würde. Schön die Informationen über 4 Ecken weitertragen lassen…

Naja also erzählten wir der Kleinen, dass Mama mal mit ihr telefonieren wollte und sie freute sich auch. Wir hatten ja die ganze Zeit nicht schlecht über Frau Ex gesprochen oder sowas. Im Gegenteil. Wir haben der Kleinen gezeigt, dass es für uns kein Problem ist, wenn sie über ihre Mama spricht und sie auch vermisst. Uns ist nämlich aufgefallen, dass sie offenbar vorher nie über ihren Papa sprechen durfte, weil dann Frau Ex immer böse war. Allerdings war das bei uns anders und damit fühlte sich klein M. besser. Somit versuchten wir sie auch auf das Telefonat vorzubereiten, weil wir eben nicht wussten was Frau Ex nun wieder abziehen würde. M. war nämlich sehr unentschlossen, ob das alles eine gute Idee war. Er machte sich Sorgen, dass sie der Kleinen wieder schlechte Dinge erzählen würde oder sie wieder ganz durcheinander bringt.

Wir konnten uns nur überraschen lassen!

M. hielt sich bewusst zurück und blieb in der Küche. Ich blieb am Anfang bei der Kleinen in der Stube, weil ich zum Einen gucken wollte, dass sie nichts Falsches auf dem Telefon drückt und zum Anderen wollte ich abwarten wie Frau Ex mit ihr spricht, damit ich zur Not die Aktion beenden könnte. Dieses Gespräch sollte der Kleinen eben nicht schaden, sondern gut verlaufen. Zu meiner Überraschung war dann am anderen Ende eine sehr ruhige und gefasste Frau Ex. Die Kleine freute sich sehr und zuerst sprachen sie darüber, wie es Ihnen so ging. Dann erzählte die Kleine einiges bzw. stellte sie Fragen an ihre Mama. Ich fand es sehr komisch, dass Frau Ex wirklich jede Frage und jedes Wort von der Kleinen zuerst wiederholte und sie dann kurz und knapp beantwortete. Z.B. „Ich war heute im Kindergarten!“ „Ach du warst heute im Kindergarten? War es schön?“ oder „Mama wie geht es dir?“ „Du fragst, wie es mir geht? Ja ganz gut“. Irgendwie war das echt merkwürdig…

Ich ging nun auch ein bisschen beiseite und ließ die Beiden sprechen. Nur wurde es dann echt komisch als die Kleine nach Herrn Ex fragte. Sie wollte wissen ob er auch da sei und Frau Ex sagte nein. Als die Kleine dann fragte wo er denn sei, da sagte Frau Ex sie wüsste nicht wo er sei. Ich merkte wie die Kleine ganz unruhig wurde und ihrer Mama erklärte, dass sie doch mal bei ihm anrufen sollte oder dass sie sich entschuldigen sollte. Offenbar hatte die Kleine plötzlich das Gefühl, dass sie sich gestritten hätten und ihre Mama nun ganz allein zu Hause sei. Frau Ex allerdings versuchte sie nicht zu beruhigen, sondern war offenbar verwundert, dass die Kleine sich Sorgen machte. Immer wieder fragte sie nach Herrn Ex und Frau Ex sagte irgendwann nach bestimmt zehnmal nachfragen, dass Herr Ex beim Sport sei. Echt merkwürdig?! Warum hatte sie das nicht gleich gesagt?!

Die Kleine fragte auch nach ihrem Bruder und wie es Mamas Bauch gehen würde, weil sie ja eine Narbe hatte. Frau Ex reagierte schon richtig genervt. Sie sagte der Kleinen, dass sie doch schon lange wüsste, dass ihre Narbe verheilt war und warum sie jetzt noch danach fragte. Zum Glück sah die Kleine mich nicht, aber ich schüttelte nur den Kopf. Ist es so schlimm, wenn die Kleine nochmal nach etwas fragt, was ihr gerade einfällt?! Uns hatte sie auch schon hundertmal Dinge gefragt, die wir ihr auch schon hundertmal erklärt hatten. Und wenn das Dinge sind an die sie sich noch erinnert, dann fragt sie da halt nochmal nach. Sie ist halt erst fünf Jahre alt…

Dann fragte die Kleine noch, ob Mama sie denn auch mal besuchen kommen würde. Es war etwas blöd, dass die Kleine dann zu ihre sagte, dass sie nicht zu Mama kommen könnte. Uns hatte sie nämlich immer gesagt, dass sie nicht zu Frau Ex möchte, sondern lieber möchte, dass Frau Ex sie hier besuchen kommen würde. So klang es jetzt als dürfte sie von uns aus nicht zu Frau Ex. Naja aber Frau Ex erklärte ihr, dass sie erstmal nicht kommen könnte weil sie ja auch kein Auto hätte. Die Kleine sagte ihr dann, dass sie ja mit dem Zug kommen könnte und Frau Ex war wieder etwas genervt. Sie erklärte ihr, dass sie kein Geld dafür hätte und die Kleine das doch wüsste. Es klang auch ein wenig vorwurfsvoll, so nach dem Motto „Du weißt doch das ich kein Geld habe, also frage nicht ob ich dich besuchen komme!“. Die Kleine fragte allerdings trotzdem noch ein paar Mal. Zum Schluss wollte die Kleine dann gerne ihre Zimmer zeigen, aber Frau Ex sagte, dass sie nicht per Video telefonieren könnte. Dann wollte die Kleine ihr gerne ein Herz bei WhatsApp schicken, aber auch das lehnte Frau Ex ab, weil das Handy kein WhatsApp hätte. Die Kleine verstand das allerdings nicht so richtig und wollte auflegen, um ihr das zu schicken und dann wieder anrufen. Sie sagte das ihrer Mama auch, aber die wollte plötzlich nur noch auflegen. „Dann legen wir jetzt auf! Tschüß!“ „Bis gleich Mama, ich ruf dich dann wieder an, wenn ich ein Herz geschickt habe.“ „Ja dann legen wir jetzt auf!“.

Die Kleine kam dann zu mir und wollte ein Herz schicken, aber ich erklärte ihr nochmal, dass das nicht gehen würde. So hatte Frau Ex es ja auch gesagt. Also wollte die Kleine dann nochmal anrufen, aber plötzlich klingelte es nicht mehr und es war als ob das Handy aus wäre. Die Kleine war echt geknickt. In den nächsten Stunden wollte sie immer wieder Frau Ex anrufen, aber wir mussten das dann beenden. Wir wussten selber nicht so richtig was das alles sollte, aber wir konnten die Kleine jetzt nicht ständig dort anrufen lassen. M. erklärte ihr, dass sie wieder anrufen könnte, wenn Mama sich vorher nochmal melden würde. So richtig konnte sie das nicht verstehen, aber das war halt eben so. Wir konnten ihr ja nicht die ganze Wahrheit erklären, denn irgendwo mussten wir uns auch selbst schützen. Frau Ex war alles zuzutrauen und wenn sie da täglich 20 Anrufe hätte, dann heißt es am Ende wieder, dass M. sie stalken würde und nicht dass ihre Tochter sie anrufen möchte. Und außerdem hatte ich das Gefühl, dass Frau Ex angepisst und genervt war. Es kam mir so vor als ob sie sich etwas anderes bei dem Telefonat vorgestellt hätte. Die Kleine war glücklich und erzählte freudestrahlend wie schön es hier sei. Ich glaube das passte Frau Ex gar nicht. Meiner Meinung nach hatte sie wahrscheinlich erwartet, dass die Kleine weinen würde und zu ihr zurück wollen würde, aber dem war nicht so. Als sie das realisierte, wollte sie dann wohl nur noch auflegen. Es kam nämlich auch so rüber als würde sie es eigentlich gar nicht so richtig interessieren, dass es der Kleinen gut geht und sie so glücklich ist. Aber wer weiß…

Am nächsten Tag…

…war die Kleine traurig. Sie erzählte uns, dass sie so glücklich bei uns sei und es ihr hier so super gefallen würde. Aber Mama sei ganz allein zu Hause und traurig, dass sie nicht mehr bei ihr sei. Deshalb müsse sie wohl wieder zurück zu Mama, obwohl sie so gerne hier sei. Innerlich schrie und schimpfte ich in diesem Moment. Das sind die Momente in denen es mir das Herz rausreißt. Dieses Kind ist so beeinflusst worden, dass es sich jetzt verantwortlich und schuldig für die Situation und Gefühle der Mama fühlt. Immer hieß es, wenn du zu Papa gehst, dann ist die Mama ganz traurig. Jetzt weinte sie und hatte Angst, dass ihre Mama sauer sei weil sie hier glücklich ist. Wir versuchten ihr zu erklären, dass Mama nicht alleine sei und sie sich auch freuen würde, wenn sie glücklich sei. Obwohl wir natürlich nicht wussten, ob das die Wahrheit ist. Trotzdem mussten wir der Kleinen helfen und ihr zeigen, dass Mama erwachsen und selbst verantwortlich für ihr Leben sei und die Kleine ein Kind, dass ein Kind und glücklich sein darf. Sie beruhigte sich dann wieder und sie wollte dann doch gerne für immer bei uns bleiben, so sagte sie.

Aber was soll ich sagen? Wir alle wussten, dass sie wahrscheinlich recht hatte. Mit Sicherheit konnte sich Frau Ex nicht dafür freuen, dass die Kleine glücklich ist und es interessierte sie auch bestimmt nicht wirklich. Das spürte wohl selbst die Kleine am Telefon. Frau Ex war wohl eher angepisst, denn ihr Machtinstrument war weg und wollte anscheinend auch nicht mal zurück zu ihr. Und klar hatte sie noch so viel Macht, dass sie es schaffte der Kleinen unbewusst ein schlechtes Gewissen zu machen, um sie dazu zu bringen zurück zu müssen. Aber wie so oft hatte sie dabei vergessen, dass es uns auch noch gibt. Wir sind immer für die Kleine da gewesen und werden es immer sein. Niemand und vor allem Frau Ex nicht wird ihr noch irgendwie weh tun.

Liebe Grüße,
Rose

 

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