-43- Der Start in ein anderes Leben

Wir waren nun also unterwegs nach Hause und alle total nervös. Gut war aber, dass sich die Kleine sehr freute und es natürlich kaum abwarten konnte endlich anzukommen. Sie hielt ständig Ausschau nach unserem weißen Haus. Das hatte sie wohl nicht vergessen nach unserem Sommerurlaub.

Wir sind daaa!!!

Nun standen wir dann endlich auf unserem Hof. Während ich noch unser Auto parkte, sprang klein M. hinten schon wild herum. Dann konnte sie aussteigen und begrüßte gleich voller Freude unsere 2 Hunde. Danach lief sie mit ihnen sofort weiter um meine Eltern zu begrüßen und sich alles anzuschauen. Ich mein ja sie kannte das alles ja noch, aber sie lief trotzdem nochmal überall gucken. Sie ging gleich schaukeln und sich was Süßes bei meiner Oma abholen. Die Kleine war so aufgeregt und freute sich. So schnell konnte man gar nicht gucken wie sie hin und her flitzte.

M. und ich packten dann erst einmal das Auto aus und stellten alles ins Haus. Danach haben wir Mittag gegessen, denn wir waren echt hungrig nach der langen Fahrt. Naja und dann ging es nun also los. Wir hatten nun ein Kind bei uns und es war für uns alle ungewohnt. Und klar einigten wir uns darauf auch Rücksicht auf die Kleine zu nehmen weil es alles neu war, aber so komplett konnten wir das auch nicht. Wenn das mit uns allen klappen sollte, dann musste auch etwas dafür getan werden und bei der Kleinen musste endlich mal ein wenig an der Erziehung gearbeitet werden. Wenn wir jetzt gleich alles hätten durchgehen lassen nur weil es neu und schwierig für sie war, dann hätten wir es später noch schwieriger gehabt als so schon. Das musste leider sein, denn wenn es so geblieben wäre, wäre sie nun bald eins dieser Arschlochkinder.

Aber erst einmal auspacken..

Nach dem Mittag machten wir uns daran die Taschen von der Kleinen auszupacken und alles einzuräumen. Aber zuerst schaute sie in ihr neues Kinderzimmer. Sie wusste ja noch, dass es vorher ein ganz anderes Zimmer war und als sie die Tür aufmachte, guckte sie uns erstmal erstaunt an. „Hä?“, kam nur und sie lachte. Offenbar wusste sie nicht so richtig was sie davon halten sollte, denn so richtig verstanden hatte sie alles ja noch gar nicht. Sie freute sich aber doch und schaute sich alles genau an. Sie erkannte ihren kleinen Tisch mit den Stühlen wieder, der früher mal in M.’s alter Wohnung stand. Dann schaute sie in alle Schubladen des Spielregales, aber es waren ja noch einige leer. Wir haben ja nur das Spielzeug, welches wir mal gekauft hatten eingeräumt. Die Kleine kletterte auch auf ihr halbhohes Bett und obwohl sie sich ein Hochbett gewünscht hatte, war sie erst einmal etwas ängstlich. Trotzdem wollte sie darin schlafen. Zuletzt öffnete sie den großen Schiebeschrank und stellte fest, dass da ja schon Sachen eingeräumt waren. „Alles für mich? So schöne Kleider!“, freute sie sich. Ja wir hatten ja das Bett und das Regal gebraucht von einer netten Familie gekauft, deren Tochter ein neues Zimmer haben wollte. Und als wir dort waren, erzählten wir ein bisschen unsere Geschichte und die Tochter holte ein paar Tüten mit Kleidung. Sie erzählte uns wie gerne sie die Kleider und die anderen Sachen angezogen hatte, aber nun zu groß für die Sachen war. Sie wollte uns gerne die schönsten Sachen davon aussuchen. So hatten wir dann also schon etwas Kleidung für die Kleine. Ein paar Kleider, Pullover, Hosen, Jacken und Strumpfhosen. Und klein M. musste natürlich die Kleider anprobieren.

Währenddessen machten wir uns ans auspacken. Als erstes packten wir 2 Einkaufstüten aus. Es waren ein paar Kuscheltiere drin, die klein M. gleich in ihr Bett legte, eine Elsa-Puppe und ein bisschen was zum Malen und Basteln. Das war jetzt alles nicht so der Hit, aber es war mehr als ich von Frau Ex erwartet hatte. Die Kleine allerdings war etwas enttäuscht, weil wohl auch Dinge fehlten, aber sie war so mit den Kleidern beschäftigt, dass es dann nicht so schlimm war. Dann packten wir noch einen kleinen Rucksack und einen kleinen Kinder-Rollkoffer aus. Es waren nur Sachen drin und wir sortierten sie gleich in den Schrank. Zuletzt war die große Reisetasche dran und wir hofften, dass da dann nun die Papiere mit drin waren, denn in den anderen Taschen war nichts. Tja leider war auch da nur Kleidung drin. Als wir auch diese einsortiert hatten, schaute ich noch einmal alle Taschen durch, aber nichts. Kein U-Heft, kein Impfausweis, keine Krankenkarte, keine Geburtsurkunde, gar nichts.

Na wunderbar!

Ich war echt genervt. Ich mein es war ja schon mal gut, dass sie einen Teil Kleidung eingepackt hatte, aber das Wichtigste lässt sie wieder weg. Klar um uns zu ärgern, warum auch sonst. Es könnte ja ansonsten zu einfach sein. Naja gut, aber darum würden wir uns dann auch noch kümmern. Das hält uns jetzt auch nicht auf!

In der ersten Woche ist M. dann mit der Kleinen zu Hause geblieben und ich bin allein zur Arbeit. Wir hatten kaum noch Urlaubstage, die waren echt bis auf den letzten Tag aus geplant. Auf Arbeit ließ mich das mit den Papieren aber nicht los und ich dachte daran, dass Frau Ex ja immer behauptet hatte dass wir auf die Notfallnummer ja hätten anrufen können. So gegen 10 Uhr vormittags bin ich dann raus gegangen um dort anzurufen. Es klingelte lange und plötzlich hatten ich einen ziemlich verschlafenen Herrn Ex am Telefon. Ich erklärte ihm, dass wir keine Papiere oder irgendwas gefunden haben und fragte, ob Frau Ex uns das dann noch zuschicken würde?! Er tat total verwundert und versuchte mir zu versichern das Frau Ex die Papiere eingepackt hätte. Leider wäre sie aber gerade nicht da und er könnte sie erst später danach fragen, weil er selbst die Taschen nicht gepackt hatte und nicht wüsste in welche sie die gesteckt hatte. Ich gab ihnen eine Chance und erklärte ihm, dass er dann später mit Frau Ex sprechen sollte und sie entweder die Papiere zuschicken sollten oder sich noch einmal melden sollten. Er versicherte mir, dass er das tun würde. Ich warte heute noch.

M. telefonierte dann noch mit unserer Anwältin und sie erzählte uns, dass ein Termin Anfang Januar 2019 für die abschließende Verhandlung festgelegt wurde. Wir müssten dort nicht erscheinen und deswegen würde sie allein hingehen. Sie würde dann auch versuchen die Sache mit den Papieren zu klären. Doch viel Hoffnung hatten wir dabei alle nicht, denn auch unsere Anwältin sagte das Frau Ex es uns bestimmt so schwer wie möglich machen möchte.

Na und! Ist ja nicht so als ob wir es nicht irgendwo gewohnt waren. Also kümmerten wir uns schon darum eine neue Geburtsurkunde zu bekommen. Dann rief M. auch schon bei seiner Krankenkasse an, um die Kleine bei sich umzumelden. Sie würde auch dafür die Papiere zuschicken. Allerdings brauchten wir dazu eine Kopie der Geburtsurkunde und die Meldebestätigung. Auch ummelden konnte wir sie erst mit dem abschließenden Gerichtsbeschluss und der Geburtsurkunde. Zuletzt mal ganz abgesehen vom Kindergeldantrag und dem Unterhaltsvorschussantrag. Dafür benötigten wir das auch alles noch. Und weil es kurz vor Weihnachten war, hatten die ganzen Ärzte nicht mehr auf um sich darüber zu erkundigen ein neues U-Heft oder einen neuen Impfausweis zu bekommen. Die Geburtsurkunde haben wir zum Glück noch die letzten Tage vor den Feiertagen bekommen, aber trotzdem hieß dann erstmal warten bis zur Verhandlung.

Die letzte Woche vor Weihnachten mussten wir beide wieder arbeiten und meine Eltern kümmerten sich um die Kleine. Bis dahin lief es eigentlich wirklich ganz gut. Sie lebte sich Stück für Stück ein. Aber es wurde an manchen Tagen auch echt anstrengend, denn sie hatte es perfektioniert ihren Willen durchzusetzen und nicht auf das zu hören was man als Erwachsener von ihr möchte. Sie kannte keinen geregelten Tagesablauf, keine Regeln und keine Selbstständigkeit. Alles wollte sie nicht und alles konnte sie nicht. Am Besten sollte man sie noch anziehen, waschen, füttern und danach vor den Fernseher setzen oder die ganze Zeit bespaßen, wenn ich es jetzt mal übertrieben ausdrücke. Es tut mir leid wenn es für einige hart klingt, aber wir sind hier nicht die Sklaven einer 5-jährigen und klar kann sie auch manche Dinge selbst entscheiden, aber trotzdem muss sie auch lernen Dinge zu tun die man ihr sagt, auch wenn es vielleicht nicht immer Spaß macht.

Trotzdem war die Zeit schön, auch wenn sie teilweise anstrengend war. Es gab auch sehr viele schöne Momente und man merkte halt auch wie die Kleine aufblühte. Leider konnte sie vor Weihnachten noch nicht in den Kindergarten gehen und zwischen den Feiertagen ja sowieso nicht. Zum Glück hatten wir ja dann noch Urlaub. Die Kleine war echt ein sehr glückliches Kind an Weihnachten und auch an Silvester. Wir hatten viel Spaß! Anfang Januar wartete dann die Verhandlung noch auf uns und danach der Marathon an Papierkram. Mal sehen!

Liebe Grüße,
Rose

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