-42- Es ist soweit!

Wir saßen nun also im Auto auf dem Weg zu klein M. Es war ein echt komisches Gefühl, denn es sollte die letzte Fahrt dieser Art sein. Nur noch einmal wieder zurück nach Hause, aber dieses Mal gemeinsam mit der Kleinen.

Verrückt?!

Ich fuhr die 4 Stunden dorthin. Mittlerweile kannte ich die Strecke auswendig. Alle 2 Wochen und das seit 2 Jahren fuhr ich freitags diese Strecke. Das war eine lange Zeit und ich schaute mir jede Stelle an der ich schon einmal Pause gemacht hatte oder etwas gegessen hatte nochmal an. Es waren ja irgendwie doch auch Plätze die mittlerweile eine gewisse Bedeutung hatten. Alles ist irgendwie zur Gewohnheit geworden und da schwang irgendwie ein komisches Gefühl mit. Doch eigentlich freute ich mich auch. Wie oft war ich total müde und kaputt. An diesen Wochenenden saß ich immer mehr im Auto als alles andere und bin sonntags halbtot ins Bett gefallen. Witzig! Was sollte ich nun eigentlich dann mit dieser neu gewonnenen Zeit an den Wochenenden anfangen?

Naja aber wir wollten doch erst einmal klein M. abholen und schauen, ob auch alles gut gehen würde. Der Verfahrensbeistand Frau B. war schon auf dem Weg und wir sollten uns dann vor Ort treffen. Als wir auf den Parkplatz fuhren sahen wir schon alle dort stehen. Wir hielten an, stiegen aus und begrüßten Frau B.. Vom Weiten hörten wir dann klein M. rufen, dass Mama ganz traurig wäre. Es klang vorwurfsvoll. Frau Ex stand dort mit der Kleinen im Arm und ihre Freundin Nr.2 war auch dabei. Um sie herum standen ein paar Taschen. Als wir nur noch 5 Meter entfernt waren stellte Frau Ex die Kleine ab, drehte sich ohne ein Wort um und lief weinend davon. Die Kleine wusste gar nicht was geschah und wollte hinterherlaufen, aber Freundin Nr.2 hielt sie fest. Ich stand wie angewurzelt da als ich sah wie Frau Ex schimpfen zum Eingang lief. Ich hörte nur ein paar Worte, wie „Jetzt nehmen die mir mein Kind weg!“. Auch die Freundin Nr.2 lies es so rüberkommen als wären wir gerade die Bösen, die einer Mutter das Kind wegreißen würden. Ich war völlig fassungslos. Hab ich was verpasst? War das alles nicht die Idee von Frau Ex? Wollte sie nicht selbst, dass wir die Kleine abholen? Das ist ja mal wieder witzig! Selbst diese Entscheidung treffen, aber wir sind ja daran Schuld. Ganz großes Kino!

Als sich dann auch die Freundin Nr.2 verabschiedete, nahm M. die Kleine in den Arm. Sie wollte zuerst nicht so richtig und war völlig verwirrt. Frau B. und M. redeten mit ihr und versuchten sie zu beruhigen. Wo wir dann allein waren und die Freundin Nr.2 weg, beruhigte sie sich auch schnell. „Papa? Da sind meine Sachen! Geh ich jetzt mit zu dir? Machen wir nun Urlaub?“ Frau B. und ich nahmen die Taschen und gingen zum Auto. M. erklärte der Kleinen währenddessen, dass sie mit zu uns kommt und er sagte ihr erst einmal dass wir sowas wie Urlaub machen würden. Sie sollte erstmal zu Ruhe kommen. Während ich die Taschen im Kofferraum verstaute, stand Frau B. neben mir: „Und Rose? Wie geht es ihnen nun damit?“. Ich dachte kurz: „Was ist das denn jetzt für eine Frage?!“ und musste überlegen, was ich nun darauf antworten sollte. „Ähm ja, gut denke ich?! Es ist alles nicht so einfach und kam doch ziemlich überraschend, aber es ist doch irgendwo gut so.“ „Ja“, sagte Frau B., „Es ist besser so! Ich habe mit der Richterin und allen noch einmal gesprochen und es war auch für uns sehr überraschend, aber es ist gut so. Für klein M. ist es zwar nicht einfach, weil jetzt plötzlich die Mama weg ist, aber es ist am Ende besser für sie.“ Ich erklärte ihr, dass wir ja auch gar nicht wollen dass der Kontakt zu Frau Ex ganz abbricht. Wir müssten dann nur sehen wie es jetzt funktionieren sollte. Sie wüsste ja selbst, dass wir nicht mit Frau Ex reden konnten. Dann erklärte sie mir, dass wir erstmal nichts tun sollten. Wenn Kinder in ein Heim oder so kommen, dann haben sie auch erstmal keinen Kontakt zu den Eltern damit sie sich dort einleben können. Wenn sich also Frau Ex von selbst nicht meldet, sollten wir der Kleinen erst einmal die Zeit geben sich bei uns einzuleben. Und falls Frau Ex sich gar nicht melden sollte, dann könnte man sie auch zum Umgang verpflichten. „Rose, scheuen sie und M. sich nicht davor auch bei ihnen vor Ort die Hilfe des Jugendamtes in Anspruch zu nehmen.“, sagte sie. Zum Schluss bat sie uns noch darum, dass wir uns vielleicht noch einmal melden würden. Es würde sie und die Richterin interessieren, ob mit der Kleinen dann alles gut bei uns ist und wie es ihr geht. Wir sagten natürlich zu. Da es kurz vor Weihnachten war, schenkte Frau B. der Kleinen eine Schneeflocke für den Weihnachtsbaum und verabschiedete sich von uns allen.

Wir setzen uns ins Auto und fuhren nun auch das letzte Mal zu der Ferienwohnung. Dort angekommen begrüßte uns die nette Frau von der Ferienwohnung. Die Kleine brachte wie immer ihren Rucksack in die Wohnung und M. erzählte der Frau was passiert war. Sie war etwas traurig, dass wir nun nicht mehr kommen würden, denn auch für sie war es schon eine schöne Gewohnheit, aber sie freute sich auch sehr für uns. Sie hatte die ganze Zeit ja auch alles mitbekommen und war froh, dass es nun endlich vorbei sein sollte. Wir gingen dann in die Wohnung, machten Abendbrot und bevor wir dann zu Bett gingen, durfte die Kleine noch ihr Geburtstagsgeschenk auspacken. Die Freude war groß. Als wir dann später im Bett lagen konnten wir es immer noch nicht ganz glauben. Ich sagte zu M., dass ich es erst so richtig realisieren werde wenn wir mit der Kleinen bei uns zu Hause sind. Ich dachte an diesem Abend aber noch viel an Frau Ex. Hatte ich Mitleid? Ich weiß nicht, nein irgendwie nicht, aber es war komisch. Ich weiß wie sehr ich meine Familie liebe, wie wir zusammen halten und wie wichtig mir die Harmonie ist. Immer wieder fragte ich mich selbst nach dem Warum?! Warum konnte Frau Ex nicht einfach aufhören? Ich würde zwar nie vergessen was sie getan hatte, aber ich bin auch kein nachtragender Mensch. Wir sind doch nicht böse, wir wollen doch nur das Beste für klein M. und ich fragte mich, warum sie das einfach nicht verstehen wollte?! Frau Ex? Wir würden dir jedenfalls die Hand reichen, dem Frieden wegen, damit klein M. glücklich ist.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück fuhren wir dann also zu den Großeltern. Sie begrüßten uns freudig und wir setzten uns in die Küche. Ich fand es immer noch komisch. Ich hatte immer das Gefühl, dass sie der Kleinen wegen nett zu uns sind, aber eigentlich hassten sie uns wahrscheinlich. Man hatte immer Bedenken etwas falsches zu sagen, denn Frau Ex ist ja immerhin deren Tochter. Ach wer weiß. Sie waren jedenfalls sehr dankbar, dass wir sie mit der Kleinen besuchten. Und auch hier bekam die Kleine dann ihr Geburtstagsgeschenk. Sie packte alles freudig aus während wir am Tisch saßen und einen Kaffee bekamen. M. konnte nicht länger warten, nahm die Beiden beiseite und erzählte ihnen was vorgefallen war. Sie waren völlig geschockt und verließen den Raum. Man hörte wie die Oma im Nebenraum zusammenbrach und weinte. Danach hörte man sie reden, aber man konnte nichts verstehen. Als sie wieder zu uns kamen hatten sie sich beruhigt und wirkten irgendwie sauer. Der Bruder von Frau Ex war auch dort und ging mit der Kleinen in den Garten. Wir konnten sie durchs Fenster sehen. Plötzlich sagten die Großeltern, dass sie es geahnt hätten.

Wie?!

Es war für sie nicht einfach uns davon zu erzählen, aber sie hatten auch von Anfang an ein komisches Gefühl. Herr Ex war immer ganz anders gewesen und eigentlich wollten sie heimlich heiraten. Doch Frau Ex rief dann doch an einem Montag an, dass sie am Freitag heiraten wollten und ob die Großeltern Zeit hätten vorbei zu kommen. Sie sagten, dass sie völlig geschockt und überrascht waren. Es sollten auch alle nur zum Standesamt kommen und danach wieder nach Hause gehen. Doch die Oma wollte, dass sie danach zu mindestens alle gemeinsam Essen gehen. Sie war sehr enttäuscht von Frau Ex und sagte, dass sie sehr sauer gewesen wären wenn sie heimlich geheiratet hätte. Die Großeltern fanden das alles so komisch, früher war Frau Ex nie so. Und je weiter ihre Schwangerschaft voran trat, desto mehr kam ihnen ein ungutes Gefühl auf. Sie erzählten uns, dass nur noch das Baby interessant war. Für Herrn Ex war sowieso nur noch sein Kind aktuell und auch Frau Ex redete nur noch von dem Baby. Klein M. rückte völlig in den Hintergrund und war scheinbar nur noch nervig. Für das Baby sollte es nur das Beste sein. Wenn die Oma etwas Kleidung für das Baby gekauft hatte, war es Herrn Ex nie recht. Es fehlte entweder das Logo eines Fußballvereins darauf oder es war einfach nicht schick genug. Sie sagte, dass sie irgendwann aufgehört hatte etwas zu schenken. Und kurz bevor der Kontakt zu Frau Ex abbrach hatten sie immer mehr das Gefühl, dass sie klein M. irgendwann weggeben würde. Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Denn auch egal wie oft sie schon mit ihnen über M. gesprochen hatten, Herr Ex konnte nie aufhören. Der Opa erzählte, dass es schon richtig krankhaft war. Herr Ex fing bei jedem Treffen an über M. her zuziehen und immer wieder die selben Geschichten zu erzählen. Selbst während klein M. dabei gewesen war, hatte er über M. nur schlecht geredet und gedroht ihn zu verprügeln wenn er ihn sehen würde bzw. könnte man auch sagen, dass er gedroht hatte ihn umzubringen. Als die Großeltern ihm auch mal gesagt hatten, dass es genug ist und dass er das nicht immer vor der Kleinen alles sagen kann, war Herr Ex nur wütend auf sie. Zum Schluss erzählte uns die Oma, dass sie Frau Ex niemals verzeihen würde was sie nun getan hatte. Sie erkannten sie einfach nicht mehr.

Als wir uns wieder auf den Weg machten, versprachen wir den Großeltern, dass wir in Kontakt bleiben würden. Danach fuhren wir dann zu unserer Verabredung mit M.’s Familie. Wir trafen uns im Tobeland, wo wir dann den Geburtstag der Kleinen etwas nachfeiern wollten. Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht und wir waren alle total kaputt. Trotzdem sind wir danach noch auf den Weihnachtsmarkt gegangen, denn irgendwie waren wir noch gar nicht auf dem Weihnachtsmarkt in dem Jahr. Abends fielen wir dann alle 3 total müde ins Bett und freuten uns darauf am nächsten Tag nach Hause zu fahren. Wir mussten der Kleinen dann auch noch irgendwie erklären, dass unser Zuhause nun auch ihr Zuhause sei. Ob sie das verstehen wird?! Ob sie sich über ihr neues Kinderzimmer freuen wird?

Auf dem Weg nach Hause hoffte ich inständig, dass dieses das letzte anstrengende Wochenende mit Frau Ex sein würde. Naja mal sehen…

Liebe Grüße,
Rose

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