-41- Die Tage danach…

Als wir am Tag nach dem Schreiben morgens aufwachten, schauten wir uns immer noch ungläubig an. Ja doch, es ist wirklich passiert! Wir konnten es einfach nicht glauben, aber wir haben nicht geträumt und schon lagen wir lachend im Bett. Wir waren echt überglücklich vor Freude, aber trotzdem machten wir uns gleichzeitig auch Sorgen.

Es ist also wirklich wahr!

Und nur noch 2 Tage bis wir klein M. abholen sollten! Wir wollten alles vorbereiten und nichts vergessen, deshalb rauchten uns echt die Köpfe. Am Tag zuvor hatte M. ja bereits mit unserem Anwalt telefoniert und gefragt wie das mit Kleidung und Papieren nun sein würde. Unser Anwalt meinte das es ja normal wäre alles mitzugeben und wenn nicht, dann könnte man sich immer noch darum kümmern. Also da waren wir dieses Mal irgendwie nicht seiner Meinung, denn wir trauten Frau Ex durchaus zu uns das Kind ohne alles mitzugeben. Und wenn es irgendwie möglich wäre, würde ich lieber alles gleich mitnehmen, denn noch einmal die 4 Stunden dorthin fahren wollte ich vorerst nicht. Naja mal sehen…

Wir dachten dann aber auch an alle Beteiligten und waren neugierig inwieweit diese Bescheid wussten. Zuerst rief M. den Verfahrensbeistand Frau B. an. Diese war völlig überrascht und konnte es ebenfalls gar nicht glauben. Aber auch sie sagte uns, dass das jetzt nicht mehr so einfach rückgängig zu machen ist und wir uns keine Sorgen machen sollten. Und sie war auch der Meinung, dass wir nochmal den Kontakt suchen sollten, um das mit den Papieren und der Kleidung zu klären. Dann fragte M. Frau B., ob sie dann am Freitag auch kommen könnte. Wir hielten es für besser, wenn eine Vermittlungsperson vor Ort ist um unnötig Stress bzw. Streit zu vermeiden. Nachdem Frau Ex bei der letzten Übergabe so rum geschrien hatte, hatten wir für Freitag echt Bedenken. Wir wollten einfach auch, dass es für die Kleine nicht so schlimm werden würde. Frau B. fand die Idee gut und sagte zu.

Danach rief M. die Gutachterin Frau E. an, denn wir hatten ja eigentlich für Samstag noch einen Termin. Als er ihr erzählte was passiert war, fing sie lauthals an zu lachen und M. schaute mich mit großen Augen an. Frau E. erklärte ihm dann, dass sie den Tag zuvor noch bei Frau Ex gewesen war, um das Gutachten fortzusetzen und diese ihr nichts von dem Vorhaben erzählt hatte. Sie war vormittags dort um sich die Wohnung anzuschauen und klein M. kennen zulernen. Frau E. führte die ersten Gespräche mit der Kleinen und besprach das weitere Vorgehen, doch kein Wort von Frau Ex. Sie sagte, dass Frau Ex ihr hätte doch sagen können das sie die Kleine zu uns gibt, dann hätte sie sich die ganze Arbeit sparen können.

Wie unlogisch ist das denn bitte?

M. und ich mussten dann nach dem Telefonat auch erstmal lachen. Also Frau Ex muss echt mal jemand verstehen?! Naja egal! Wir machten dann nun selbst eine E-Mail für die Anwältin von Frau Ex fertig, in der wir sie baten Frau Ex mitzuteilen, dass sie dann auch bitte die Papiere und etwas Kleidung mitgeben sollte. Eine Antwort erhielten wir allerdings nicht und somit blieb es ungewiss. Also wieder überraschen lassen!

Da wir für den Samstag eigentlich geplant hatten den Geburtstag von klein M. ein bisschen nachzufeiern und uns auch schon mit M.’s Familie verabredet hatten, haben wir uns entschieden erst am Sonntag mit der Kleinen zu uns zu fahren. Außerdem haben auch die Oma und der Opa gefragt, ob wir wieder vorbei kommen könnten. Obwohl wir selbst nichts mit ihnen zu tun hatten und es die Eltern von Frau Ex waren, sind wir trotzdem regelmäßig hingefahren wenn wir Umgangswochenende hatten. Egal was vorgefallen war, es sind nun mal die Großeltern und es ist schon schlimm genug, dass Frau Ex mit ihnen den Kontakt abgebrochen hatte. Nur haben wir ihnen noch nichts von den Neuigkeiten erzählt. Wir waren sehr nervös und M. empfand es für besser wenn wir es ihnen am Samstag persönlich sagen als per Anruf oder SMS. Mir graute es davor!

Am Donnerstag rief uns dann nochmal der Verfahrensbeistand Frau B. an. Sie hatten nun mit der Richterin telefoniert und auch diese war total überrascht. Frau B. erklärte uns, dass die Richterin Frau Ex noch einmal zu einer letzten Verhandlung einladen würde, aber das wäre nur für die formellen Sachen. Frau Ex sollte noch ein paar Unterschriften geben und dann würde es nochmal ein Abschlussprotokoll geben. Wir bräuchten dann nicht dorthin kommen, nur unsere Anwältin könnte hingehen. Frau B. wiederholte sehr oft wie überrascht alle von dieser Entscheidung seitens Frau Ex waren, aber sie deutete auch an, dass sie und scheinbar auch die Richterin diese Entscheidung für besser empfanden. „Wir sehen uns dann morgen!“, verabschiedete sich Frau B.

Los geht’s!

Als wir am Abend im Bett lagen waren wir schon echt nervös. Am nächsten Tag sollte es dann also losgehen?! Ich kann gar nicht beschreiben wie wir uns gefühlt haben. Jetzt wurde es wirklich ernst und wir wären dann nicht mehr zu zweit. Ganz ehrlich? Ich hatte unheimlich Angst! Ob alles klappen würde? Wie es wohl dann klein M. bei uns gehen wird? Ob sie doch lieber bei Frau Ex bleiben würde? Können wir es schaffen, dass sie bei uns glücklich wird? Wie geht es mit unserer Beziehung weiter? Ob wir auch noch Zeit zu zweit haben werden? Kann ich das überhaupt? Ich bin nicht ihre Mutter, muss aber nun die Mutterrolle übernehmen?! Ich darf aber auch nicht sagen, dass ich wie eine Mutter bin, denn sie hat eine Mutter und ich bin nur Rose. Und trotzdem muss ich die Aufgaben einer Mutter übernehmen für ein Kind, welches ja gar nichts meines ist?! In meinem Kopf drehte sich einfach alles. Dieses Kind ist meistens unheimlich anstrengend und kann total nerven. So oft hat es mich schon zur Weißglut gebracht, weil von Erziehung wenig die Rede war. Doch trotzdem war ich immer noch da?! Ich habe über 1 Jahr zusammen mit M. dafür gekämpft, dass ein Kind glücklich sein darf, welches gar nicht meines ist. Und warum eigentlich? Weil ich klein M. scheinbar doch mehr lieb habe als ich je gedacht hatte. Ja ich weiß das ich nicht ihre Mutter bin! Aber nur weil ich nicht ihre Mutter bin heißt das nicht, dass ich sie nicht lieb haben darf! Und das werde ich! Wir haben nun ein Kind und dieses Kind werde ich lieb haben, ich werde mich sorgen und ich werde mich kümmern. Einfach weil es jedes Kind verdient glücklich und geborgen aufzuwachsen!

Entschlossen stieg ich dann am Freitag ins Auto, neben mir M. und nun schauten wir nach vorne, nicht mehr zurück. Ich fuhr los….

Liebe Grüße,
Rose

Ein Gedanke zu “-41- Die Tage danach…

  1. Spannend…
    Als ich meine Bonuskinder kennengelernt habe… War der „Kleine“ 4 Jahre alt… Ich war zarte 22 Jahre alt….. Jetzt ist er selber 22 Jahre alt.😍
    Es waren immer mal wieder Gewitter da… Aber der Sonnenschein überwog ❤️❤️❤️

    Gefällt 1 Person

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