-40- Der Tag…

…an dem sich alles verändern sollte, war der 4. Dezember 2018. Aber was für ein Tag das war und was dieses Mal wieder mit Frau Ex passierte, muss ich euch genau erklären.

Dann passt mal auf!

Eigentlich war es ein ganz normaler Dienstag, denn M. und ich waren ganz normal arbeiten. Einen Tag zuvor hatten wir das Kinderzimmer für klein M. soweit fertig gestellt. Wir hatten einen rosa Teppich verlegt, ein paar Regale und das Hochbett (halbhoch) zusammengeschraubt. Ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen zum Malen und Basteln hatte auch seinen Platz gefunden. Wir hatten nicht alles neu gekauft, denn das musste ja auch nicht unbedingt sein, zumal wir ja noch gar nicht wussten ob sie überhaupt bei uns leben wird. Aber es konnte nun jemand kommen um zu sehen, dass wir vorbereitet waren.

Am nächsten Tag sollte klein M.’s 5ter Geburtstag sein. Wir entschieden uns dazu sie nicht anzurufen. Wir hatten an diesem Wochenende sowieso Umgang und wollten ihren Geburtstag etwas feiern. Deshalb dachten wir, dass sie es verschmerzen kann bzw. es das geringere Übel ist. Hätten wir angerufen, dann hätte es vielleicht nur wieder Ärger mit Frau Ex gegeben. Und bevor wir dann am Samstag ihren Geburtstag feiern würden, hatten wir ja gemeinsam noch einen Termin mit der Gutachterin Frau E., weswegen ich schon wieder ein kleines bisschen nervös war. Es stand so viel auf dem Spiel.

Aber was war dann los?

Also ein ganz normaler Tag. Es war kurz vor Feierabend als ich nochmal zur Toilette ging und danach mein Handy checkte. Oh, wir hatten einen E-Mail von unserem Anwalt bekommen. Als ich sah, dass es sich um ein Schreiben der Anwältin von Frau Ex handelte, rollte ich die Augen und dachte „Was ist denn nun schon wieder?!“. Ich öffnete das Schreiben und las. Plötzlich fing ich am ganzen Körper an zu zittern, es fühlte sich an als wäre ich gleichzeitig gelähmt und mir blieb etwas die Luft weg. Ich konnte nicht glauben was ich da gerade gelesen hatte.

Langsam taumelte ich zurück ins Büro und stand mitten im Raum. Mein Abteilungsleiter und meine Kollege starrten mich an. „Was ist denn los?“, fragten sie mich. Ich stammelte vor mich hin was ich gerade gelesen hatte, denn sie waren in die Geschichte so oder so schon eingeweiht. Ich konnte es immer noch nicht glauben und setzte mich auf meinen Platz. Ich zuckte zusammen. „Oh man, M. hat das bestimmt noch gar nicht gelesen!“. Es waren noch 10 Minuten bis zum Feierabend, aber mein Abteilungsleiter schickte mich weg. Ich packte also alles zusammen, Computer aus, Tasche und Jacke geschnappt und ging los. Ich verließ das Gebäude und ging langsam über den Hof zur Werkstatt in der M. arbeitete. Aber mein Gang wurde immer schneller bis ich schließlich über den Hof rannte. Dort angekommen riss ich die Tür auf und M. stand auch schon vor mir.

Was machst du denn hier?

„M.? Hast du die E-Mail gelesen?“, fragte ich ihn während ich nach Luft schnappte. Er schüttelte den Kopf. „Wir haben eine E-Mail vom Anwalt bekommen!“ Er rollte mit den Augen und fragte: „Was ist denn nun schon wieder?“. Kurz musste ich schmunzeln, weil es mir genauso ging. „M.! Es sind 2 Schreiben der Anwältin von Frau Ex!“, erzählte ich ihm schon etwas ernster und wunderte mich warum er nicht nachschaute. „Ja und?“, fragte er nur. „Wir sollen die Kleine am Freitag abholen!!!“, schrie ich ihn schon fast an. „Ja weiß ich doch! Wir haben doch eh Umgang dieses Wochenende und wollten ihren Geburtstag feiern. Weißt du doch Rose!“ „Nein M.! Wir sollen sie abholen! M. verstehst du denn nicht? Wir sollen sie mitnehmen! Also zu uns, also für immer! M. versteh doch!“, schrie ich ihn vor Freude an. Plötzlich stand er wie gelähmt da und starrte mich an. „M.? Sag doch was!“ Er nahm sein Handy heraus und ich sah wie er zitterte. M. öffnete die E-Mail und fing an zu lesen.

Schreiben Nr.1 >In der Kindschaftssache betreffend klein M. teilen wir für die Kindesmutter nunmehr folgendes mit: Frau Ex stellt bei ihrer Tochter fest, dass diese unter dem laufenden Verfahren leidet. Es gibt gegenwärtig Verhaltensauffälligkeiten, die sich gegen das Baby der Eheleute Ex richten. Klein M. scheint sich gegenwärtig wohler bei ihrem Vater zu fühlen als bei Frau Ex. Aus diesem Grund hat der Unterzeichner den Auftrag erhalten, namens und Vollmacht der Frau Ex dem Antrag zuzustimmen. Frau Ex ist damit einverstanden, dass dem Antragsteller das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das gemeinsame Kind zur alleinige Ausübung übertragen wird. Über die damit verbundenen Folgen wurde Frau Ex durch den Unterzeichner ausdrücklich belehrt. Es entspricht dem Willen der Frau Ex, dass so verfahren werden soll.<

Schreiben Nr.2 >Der Unterzeichner nimmt Bezug auf den Schriftsatz (Schreiben Nr.1), gerichtet ans Amtsgericht, den ich als Anlage beifüge. Da am Freitag das Umgangsrecht stattfinden sollte und meine Mandantin mit der Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts auf ihren Mandanten nunmehr einverstanden ist, würden wir Sie bitten, dass M. dafür Sorge trägt, dass die gemeinsame Tochter in Anlehnung an beigefügtes Schreiben am Freitag abgeholt wird.<

M. sackte zusammen und ich fing ihn auf. Er fing an zu weinen und dann liefen auch mir die Tränen. Plötzlich fiel die ganze Last von einem ab und man war einfach nur erleichtert, dass es scheinbar endlich aufhören würde. Wir konnten es gar nicht fassen und sprachen die ganze Fahrt nach Hause noch darüber. 1 Jahr lang hatte Frau Ex sich mit Händen und Füßen gegen alles gewehrt und nun änderte sie einfach so ihre Meinung? In 3 Tagen will sie die Kleine dann einfach so zu uns geben? Welche Mutter versucht über 1 Jahr lang alle Mittel um ihren Willen durchzusetzen, interessiert sich dabei einen Scheiß für die Gefühle ihres Kindes und gibt es dann doch sozusagen kurz vor der letzten Entscheidung einfach so weg?! Ich mein die Entscheidung mit dem Gutachten hätte doch auch für sie ausgehen können. Da kann doch irgendwas nicht stimmen?! Wir konnten uns nicht vorstellen, dass klein M. sich irgendwie gegen das Baby richtet. Sie hatte uns immer freudig erzählt das sie eine große Schwester ist. Vielleicht sind es aber auch normale Verhaltensmuster? Es ist doch für das erste Kind immer nicht so einfach, man sagt doch auch vom Thron stoßen?! Aber klar gibt Frau Ex lieber uns die Schuld, denn wenn sie sich gegen ein unschuldiges Baby richten würde, welches nun ja wirklich nichts für die ganze Situation kann, dann würde sie es auch von anderen vermuten. Wir hatten jedenfalls nicht damit zu tun und ich hätte auch im Traum nicht an sowas gedacht. Uns schwirrten viele andere Vermutungen über den wahren Grund für diesen Sinneswandel durch den Kopf, aber wir konnten eben nur darüber philosophieren.

Dann überkam uns irgendwie die Sorge, wie das alles funktionieren sollte?! Zuallererst hatte klein M. doch am nächsten Tag Geburtstag und 2 Tage später wollte ihre Mutter sie weggeben?! Es waren nur noch 3 Tage und das war ganz schön kurzfristig, aber etwas anders haben wir von Frau Ex nicht erwartet. Sie wollte uns halt ärgern wo sie nur kann. Aber wie wollte sie das wohl der Kleinen erklären? Wir machten uns echt Sorgen und vermuteten, dass sie ihr nichts Gutes sagen würde. Immerhin sollte es ja jetzt so aussehen als ob sie etwas Gutes tut, weil wir ja so böse sind. Vielleicht wollte sie am Ende irgendwie gut dastehen bevor das Gutachten eventuell etwas schlechtes über sie zum Vorschein bringt?! Wie kann man nur?!

Zuhause angekommen erzählten wir es erst einmal meinen Eltern, die dann auch total verwundert aber glücklich waren. Danach fiel uns ein unseren Anwalt anzurufen und zu fragen ob das überhaupt jetzt alles einfach so möglich ist. Wir konnten es halt immer noch nicht glauben. Wir sollten uns keine Sorgen machen, das ist jetzt so alles richtig. Dann fiel uns noch ein, dass wir ja auch Sachen und die ganzen Papiere brauchten. Davon stand ja gar nichts in dem Schreiben und die kann uns doch nicht einfach das Kind so vor die Tür stellen ohne alles?! Ich meine zutrauen würde ich ihr das. Oh man! Uns rauchte am Abend echt der Kopf und wir machten uns schon einen Plan für den nächsten Tag. Jetzt kurz vorm Schluss wollten wir garantiert nicht aufgeben! Vielleicht hatte Frau Ex auch die Idee, dass wir so kurzfristig sagen würden, dass wir die Kleine nicht nehmen könnten wegen Arbeit und allem. Ach wer weiß! Nur eins war mir klar! Wir würden das schaffen und wir wollten das nun auch durchziehen, aber ob Frau Ex sich diese Aktion wirklich richtig überlegt hatte werden wir wohl noch sehen!

Zugegebenermaßen war ich doch ziemlich nervös! Hallooo?! Jetzt werde ich irgendwie doch so richtig „Stiefmutter“?! Ob ich das wirklich schaffen könnte?

Liebe Grüße,
Rose

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