-39- Erster Termin #1.2

Wir waren nun also auf dem Weg zur Gutachterin. Ungefähr eine halbe Stunde mussten wir dorthin fahren und hatten also noch ein wenig Zeit um das Erlebte ein bisschen zu verdauen.

Gar nicht so einfach!

Die ersten Minuten versuchten wir zu verstehen, was gerade überhaupt passiert war und danach fragte wir uns, warum Frau Ex das getan hatte?! Irgendwie musste bei ihr eine Sicherung durchgebrannt sein oder kam jetzt die Überforderung zum Vorschein? Ein Jahr versuchte sie nun schon M. loszuwerden und jetzt sagte sie einfach, dann nehmt sie doch mit?! Sie sagte ja auch: „Dann wirst du ja sehen, welche Arbeit ich mit ihr habe!“. Vielleicht war ihr ja wirklich alles langsam zu viel? Wir wussten es nicht! Aber dann sprangen unsere Gedanken zu dem bevorstehenden Gespräch mit Gutachterin über. Vielleicht ist es irgendwo ja gut für uns? Also es ist ohne Zweifel nicht gut gewesen, was gerade passiert war, aber vielleicht war es gut für das Gutachten?! Immerhin muss man ja erklären warum man zu spät ist?!

Ach wir waren schon irgendwo nervös und wussten nicht wie es wird. Dort angekommen suchten wir einen Parkplatz und klingelten dann bei ihrer Praxis. Eine nette, positive Frau öffnete uns die Tür und stellte sich als Frau E. vor. Das war also die Gutachterin?! Ich hatte irgendwie gleich ein gutes Bauchgefühl! Wir setzten uns in ein Zimmer und sie wollte gleich wissen, was nun eben bei Frau Ex passiert war. Also erklärten wir ihr dies und schon machte sie das erste Mal große Augen. Nebenbei schrieb sie fleißig alles auf einen Block. Danach gab sie M. ein paar Zettel, die er unterschreiben sollte. Zum Einen brauchte sie eine Unterschrift dafür, ob M. sich überhaupt bereit erklärt für die Begutachtung und zum Anderen, ob sie mit dem Jugendamt, dem Verfahrensbeistand und Kindergarten sprechen darf.

Na geil!

Wie bescheuert ist das denn bitte? Man bekommt vom Gericht gesagt, dass ein Gutachten erstellt werden soll, aber man muss sich noch freiwillig dazu bereit erklären?! Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, dass meine erste Frage an Frau E. war, was passiert wenn man das denn nun nicht unterschreiben möchte?! Sie erklärte uns dann, dass sie dann halt eben nichts begutachten kann und dann nichts dazu schreiben kann. Es käme aber auch nicht so gut beim Gericht an, wenn man sich weigern würde. Frau E. wusste ja nicht, dass ich nicht wegen uns fragte, denn währenddessen sie mir das erklärte unterschrieb M. die Zettel schon.

Danach erzählte sie uns dann, dass sie zuerst einmal eine grobe Einschätzung und Zusammenfassung von unserer Sicht haben wollte. Zum nächsten Termin würde sie uns dann gerne zusammen mit klein M. sehen und danach wahrscheinlich nochmal allein. Sie erklärte weiterhin, dass sie dann das Gleiche auch mit Frau Ex machen würde. Frau E. meinte auch, dass sie sich normalerweise unser Zuhause ansehen müsste, aber nur um einmal zu gucken würde sie die vier Stunden nicht fahren wollen. Deshalb überlegte sie sich jemanden von unserem Jugendamt vor Ort zu bitten bei uns vorbei zu kommen. Sie sagte: „Es geht ja eh nur darum, ob ein Kinderbett da ist und die Umgebung kindgerecht ist, also keine toten Tiere rumliegen oder sowas.“ Sie lachte, während wir sie mit großen Augen ansahen. „Ja was ich schon alles erlebt habe!“, lachte sie weiter.

Also fingen wir dann an die ganze Geschichte zusammen zu fassen. Von der Situation vor dem Umgangsboykott über die Gerichtsverfahren und Anzeigen bis hin zur aktuellen Situation. Sie schrieb alles fleißig mit und stellte auch ein paar Fragen, obwohl die Fragerunde eigentlich erst beim dritten Termin sein sollte. Scheinbar war es aber doch schon interessant. Sie fragte auch, was unserer Meinung nach das Problem sei und wir erklärten ihr, dass es hauptsächlich daran liegt das Frau Ex nicht bereit ist vernünftig miteinander umzugehen und zu sprechen. Sie blockt ja alles ab und M. erklärte, dass er ja sogar zur Beratung gegangen war, aber sie alles nicht wollte. Wir erklärten weiter, dass Frau Ex sich so darauf versteift hätte das M. ein Stalker sei, dass es schon nicht mehr normal ist. Auch Frau E. war verwundert und sagte uns, dass sie nach allem was sie jetzt gehört hatte schon merkt das es uns wirklich um klein M. geht und wir ein eigenes Leben führen würden ohne das M. sich für Frau Ex interessieren würde.

Aber wie haben sie sich das denn vorgestellt?

Oh man. Das war die Frage, die mich schon am meisten beschäftigte. Ich habe mich oft schon gefragt was wäre, wenn die Kleine wirklich zu uns kommen würde? Wie sollen wir ihr das nur erklären? Es quälte mich schon irgendwo. Die Kleine liebt ja ihre Mutter und es soll doch auch ihre Mutter bleiben, aber auf die Entfernung würde es schwierig werden. Wir wollten ihr nie die Mutter wegnehmen, aber was sollten wir denn tun? Es war einfach ein zweischneidiges Schwert, denn was tut man wenn die Mutter dem Kind nicht gut tut, das Kind aber die Mutter liebt?!

Wir versuchten das irgendwie der Frau E. zu erklären. Das wir diesen Antrag stellen mussten um das Ganze zu stoppen, obwohl das nie unser Ziel war. Wir hatten uns ja selbst dafür entschieden alle zwei Wochen die vier Stunden zu fahren und vor Ort zu übernachten. Nur funktionierte das mit Frau Ex nicht und die Kleine musste leiden. Wir sahen keinen anderen Weg als dies zu versuchen. Wir erklärten uns auch bereit, wenn alles mit Frau Ex funktionieren würde, dass wir auch lockere Regelungen finden könnten. Man könnte sich auf der Hälfte der Strecke treffen oder sonst was. Wenn es wegen dem Geld nicht alle zwei Wochen geht, dann eben eine andere Regelung. Wir wären da flexibel solange sich die Situation für die Kleine verbessern würde.

Frau E. war irgendwie überrascht und plötzlich wurde ihr klar, warum ich am Anfang die Frage stellte, was passieren würde wenn man sich nicht begutachten lassen will. Wir waren verwundert, weil wir uns ja schon später gemeldet hatten, aber sie erzählte uns, dass mit Frau Ex auch noch kein Gespräch zustande gekommen sei. Frau Ex hätte ständig keine Zeit für einen Termin gehabt oder als sie einen gefunden hatte, hatte Frau Ex wegen Krankheit abgesagt. Plötzlich vermutete sie, dass Frau Ex wohl Zeit schinden wollte und sie konnte meine Frage nachvollziehen. Sie ließ sich überraschen, ob es dann beim nächsten Termin klappen würde und verabschiedete uns dann fürs Erste.

Puhhhh

Zurück am Auto, stellten wir fest: „Das war ja gar nicht so schlimm!“ Man fühlte sich plötzlich erleichtert und war irgendwo wieder guter Dinge. Wir waren auch der Meinung, dass wir das eigentlich ganz gut hinbekommen hatten. Wir haben nicht über Frau Ex ab gelästert, sondern nur die negativen und positiven Dinge von ihrem Verhalten uns und der Kleinen gegenüber aufgezählt. Wir sind immer im Fokus bei der Kleinen geblieben und waren bereit an allem mitzuarbeiten. Kann dann doch nur besser werden oder?! Oh Mist! Wir müssen ein Kinderzimmer fertig machen, bevor das Jugendamt kommt! Da wir ja immer in der Ferienwohnung waren, hatten wir bei uns noch kein komplettes Zimmer hergerichtet. Na dann mal los!

Liebe Grüße,
Rose

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