-38- Erster Termin #1.1

Also dafür, dass es freitags beim Abholen immer etwas schwierig ist, hatten wir trotzdem ein tolles Wochenende. Ihr wisst ja schon, dass wir schön baden waren und dann am Sonntag pünktlich sein wollten, weil wir ja einen Termin mit der Gutachterin hatten.

Es ist immer alles anders und vor allem als man denkt!

Während der Fahrt zu Frau Ex schlief klein M. im Auto ein. Die Fahrt dauerte ja nicht wirklich lange, aber manchmal schlief sie halt ein. Als wir dann angekommen waren, parkten wir auf dem Parkplatz neben dem Wohnblock und M. weckte die Kleine liebevoll auf. Es war auch alles in Ordnung soweit. So wie immer nahm sie ihren kleinen Rucksack und ging mit M. Hand in Hand zum Übergabepunkt. Ich ging natürlich auch mit, aber ich hielt mich immer etwas zurück. Wir verabschiedeten uns und die Kleine ging ein paar Schritte auf Frau Ex zu. Dann schaute sie Frau Ex an und im gleichen Moment tat ich das auch. Die Kleine drehte wieder um und wollte nicht hingehen.

Was zieht die denn für ein Gesicht?!

Also wenn meine Mutter so ein Gesicht gezogen hätte wenn ich nach Hause komme, dann wäre ich als Kind auch nicht gern hingegangen. Da muss man ja schon gleich befürchten, dass nichts Gutes auf einen wartet. Keine Freude. Kein Lächeln. Nichts. Stattdessen musste M. jetzt versuchen die Kleine zu überreden. Er versuchte alles übliche, aber es brachte nichts. Also fragte er sie, ob sie hingehen würde, wenn er ein kleines Stück mitgehen würde und sie nickte. Nun gingen sie also beide in Richtung Frau Ex und weiterhin kam von ihr keine Reaktion. Sie bemühte sich kein Stück die Kleine irgendwie positiv zu empfangen. Warum auch? Frau Ex stand nur da, zog eine Fresse und scharrte schon mit den Füßen auf dem Boden. Tja also konnte das die Kleine auch nicht überzeugen hinzugehen und sie fing an zu weinen. Die Beiden standen vielleicht nur noch 4 Meter von Frau Ex entfernt, aber sie bemühte sich weiterhin nicht die Kleine zu trösten oder sie zu holen oder irgendwas. Aber M. bemühte sich weiterhin, doch nichts half. Zudem Zeitpunkt bin ich noch am üblichen Punkt stehen geblieben und beobachtete alles.

Aber dann!

Frau Ex wurde immer unruhiger und scharrte immer mehr die Füßen am Boden. Ihr Gesicht wurde immer wütender. Mein Bauchgefühl rief mir schon zu, dass da gleich etwas passieren würde. Leider hatte ich Recht! Einfach so fing Frau Ex an die Beiden anzuschreien. „Denn nimm sie doch mit, wenn sie lieber bei dir bleiben will! Willst du bei Papa bleiben? Willst du das? Dann geh mit! Los verschwindet! Nimm sie mit und dann wirst du schon sehen, was ich immer für eine Arbeit mit ihr habe!“ M. drehte sich zu mir um und ich sah seinen verzweifelten, hilflosen Blick. Plötzlich schrie sie mir irgendwas zu von wegen „Und du da hinten bist ganz klein!“. Die Kleine weinte noch mehr, aber wollte M. an die Hand nehmen und losgehen. Sie bettelte, weil Mama doch gesagt hatte sie könne mit, dass er sie mitnehmen würde. Nun ging ich hin. Dann konnte Frau Ex auch sehen das ich nicht so klein bin. Ich redete auch mit der Kleinen und versuchte ihr zu erklären, dass wir sie nicht einfach so mitnehmen könnten. Wir mussten ja auch arbeiten und noch lange nach Hause fahren.

Aber Mama hat doch gesagt!

Und das meint Mama nicht so! Ich sagte ihr, dass Mama sich doch auch freuen würde, wenn sie zu ihr geht. Die Kleine schaute fragend zu Frau Ex und der fiel weiterhin nichts besseres ein als rum zuschreien. „Willst du nun mit zu Papa oder nicht? Dann geh doch!“ M. rief ihr zu, dass sie doch endlich damit aufhören solle. „Ich? Du machst doch alles kaputt! Wärst du damals einfach gegangen und nie wieder gekommen, dann wäre alles besser gewesen! Du hast dich doch nie gekümmert! Ich musste immer alles alleine machen!“ M. sagte ihr, dass sie genau wissen würde das das nicht stimmt. Er war immer für die Kleine da, auch nach der Trennung ist er jeden Tag da gewesen. Und er liebt die Kleine, deshalb hat er auch darum gekämpft sie sehen zu können. Aber Frau Ex überhörte dies und schrie einfach weiter „Du machst alles kaputt! Wärst du einfach nicht wieder gekommen! Du spielst hier nur auf Wochenend-Papa und ansonsten kümmerst du dich um nichts! Siehst du? Dein Papa kann dich nicht mitnehmen, weil er keine Zeit für dich hat! Er kann nur alle 2 Wochen kommen und dich holen!“

Plötzlich schrie die Kleine Frau Ex an: „Mama hör auf damit! Papa macht gar nichts kaputt! Ich geh dann mit und dann komm ich auch mal wieder! Du brauchst dir keine Sorgen machen, ich komm dann auch mal wieder her!“ Wieder schaute M. mich nun schon mit Tränen in den Augen an. Und ich kochte! Nur 3 Meter stand Frau Ex vor mir und Leute ich sage euch! Was ich nicht alles hätte tun können in diesem Moment! M. sah mir das an und griff meinen Arm. Die Kleine klammerte sich weinend an ihn. Ich schluckte alles mal kurz runter. Dann sagte ich zu Frau Ex: „Das du dich gar nicht schämst! Anstatt dich um deine Tochter zu kümmern und sie fröhlich zu begrüßen, machst du hier so einen Scheiß! Du nennst dich Mutter? Dann kümmere dich vernünftig um dein Kind!“ Sprachlos starrte sie mich an und sagte nichts mehr.

Dann nahm ich die Beiden und wir gingen wieder zurück. Wir stellten uns an den Platz, wo wir sonst auch immer warteten. Ich trug M. auf, sich und die Kleine zu beruhigen und ich würde telefonieren gehen. Ich wusste in diesem Moment auch nicht was wir tun konnten und wir hätten nun schon längst bei der Gutachterin sein müssen. Also schnappte ich mir M.’s Handy und versuchte die Gutachterin anzurufen, aber leider ging niemand ans Telefon. 3 oder 4 Mal versuchte ich es. Danach fiel mir nur ein, dass ich Frau B. den Verfahrensbeistand um Hilfe bitten könnte. Auch sie versuchte ich mehrmals anzurufen bis sie endlich ans Telefon ging. Dann war ich so erleichtert, sodass ich erstmal anfing zu weinen. „Beruhigen Sie sich Rose und erzählen Sie was passiert ist.“ ,sagte sie mit ruhiger Stimme zu mir. Ich erklärte ihr dann was los war und das wir schon längst zu spät waren wegen der Gutachterin.

Sie sagte mir dann, dass sie die Handynummer von der Gutachterin hätte und sie anrufen würde um Bescheid zu sagen. Danach erklärte sie mir, dass wir Frau Ex folgendes sagen sollten. Wenn wir die Kleine wirklich mitnehmen sollten, dann soll sie einen Zettel fertig machen, wo sie sich schriftlich damit einverstanden erklärt. Somit wären wir dann abgesichert und könnten die Kleine erstmal mit zur Gutachterin nehmen um alles weiter zu besprechen. Sie ging aber auch davon aus, dass Frau Ex das nicht tun würde und sich deshalb dann doch bemühen würde die Kleine mitzunehmen. Wir sollten uns dann noch einmal melden und sie wünschte uns viel Glück.

Also los!

Ich legte auf und ging zu den Beiden. Ich wollte M. gerade erklären was Frau B. gesagt hatte als Frau Ex an uns vorbei stürmte und die Kleine einfach auf den Arm nahm. Sie musste sie von M. losreißen und lief dann einfach schnell mit ihr ins Haus. Die Kleine schrie wie verrückt nach Hilfe und streckte die Arme zu M. aus. Wir kamen also gar nicht dazu ihr das zu sagen, weil sie wahrscheinlich dann doch Angst bekommen hatte das wir die Kleine mitnehmen. Doch diese Aktion war dann überhaupt nicht gut! Wir wussten auch nicht was wir tun sollten. Sicherlich hätten wir hinterherlaufen können, um der Kleinen zu helfen und wir wussten auch, dass es bestimmt nicht schön für die Kleine werden würde, wenn sie erstmal im Haus wären. Aber was hatten wir für eine Wahl? Ohne etwas Schriftliches von Frau Ex hätten wir sie nicht mitnehmen können. Es tat uns so weh und wir gingen erstmal zum Auto. Als wir dann beim Auto waren, nahmen wir uns in den Arm und weinten. Wir hätten gerne mehr getan.

Doch dann mussten wir ja losfahren, denn immerhin wartete immer noch die Gutachterin auf uns. Wie das wohl wird?

Liebe Grüße,
Rose

4 Gedanken zu “-38- Erster Termin #1.1

  1. Ja, so etwas ähnliches kenne ich auch. Das kann ganz schön hässlich werden und sein. Traurig, wie man sich als Erwachsener benehmen kann, wenn verletzte Gefühle im Spiel sind. Gerade in Gegenwart von Kindern. Das „arme“ Kind, ehrlich gesagt. Das muss sich völlig zerrissen vorkommen.

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  2. Hi Rose,

    dann sind Zustände mit Frau Ex. Da werden ganz böse Erinnerungen bei mir wach.
    Allerdings hätte ich mir das nicht zweimal sagen lassen, ich hätte mich beim ersten Mal schon umgedreht und wäre mit Klein wiedergegangen.
    Hat M. das gemeinsame Sorgerecht?

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Roland,
      in dem Moment wusste man einfach nicht was man tun soll. Jetzt im Nachhinein hätten wir am Liebsten auch anders reagiert, aber wir wussten ja auch nicht was passieren würde. Nachher hätte es mit Polizei geendet oder sonst was. Es ist einfach blöd gelaufen. Und ja er hat das gemeinsame Sorgerecht.

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