-35- Gerichtsverhandlung #3.4

„Wie lange denn noch?“, fragte mich klein M. während wir immer noch auf der Bank vor dem Sitzungssaal warteten.  Ich wusste es nicht und ich habe mich das auch schon gefragt. Der Verfahrensbeistand Frau B. und der Mitarbeiter vom Jugendamt waren ja schon eine Weile raus, aber trotzdem dauerte es noch.

Endlich!

Nach fast drei Stunden ging endlich die Tür auf! Zuerst kamen M. und unsere Anwältin heraus. Sie lächelten beide und die Kleine lief M. direkt in die Arme. Sie umarmten sich und nun freute sie sich doch so sehr, dass ihr Papa da war. Unsere Anwältin verabschiedete sich dann und sagte mir nur, dass M. mir dann alles erklären würde. Nebenbei sah ich, wie Frau Ex aus dem Sitzungssaal kam. Wieder total verheult. Sie sah schrecklich aus und man hätte eventuell ein wenig Mitleid haben können, aber nicht wenn man das wusste, was wir wussten. Ich dachte keine Sekunde an Mitleid.

Dann schickte M. die Kleine zu Frau Ex, weil wir ja nun auch gehen wollten und nicht wieder solchen Stress haben wollten, wie bei der letzten Verhandlung. Sie ging zwar etwas widerwillig hin, aber es klappte und wir gingen sofort los.

Was ist denn nun?

„Gutachten!“, sagte M. und ich war plötzlich total enttäuscht. In diesem Moment konnte ich es nicht verstehen. Warum denn ein Gutachten? Es liegt doch alles auf der Hand und so ein Gutachten ist nicht nur total teuer, sondern kann auch ewig dauern. Warum müssen die das der Kleinen noch so lange antun? Das kann doch nicht sein!

M. hingegen war total guter Dinge und versuchte mich zu beruhigen. Er erzählte mir, dass die Verhandlung voll gut verlief. Zuerst hatte sich die Richterin richtig aufgeregt, weil klein M. extrem manipuliert war. Sie hatte nur schlecht über M. und mich gesprochen, aber gab zu, dass Frau Ex und ihre Freundin Nr.1 ihr aufgetragen hatten dies zu sagen. Es ging wohl die ganze Zeit nur: „Mama hat gesagt… Mama hat gesagt…“ Und das gefiel der Richterin gar nicht. Plötzlich stritt die Anwältin von Frau Ex auch gar nicht mehr ab, dass sie das Kind manipulieren würden, aber wenn das Kind manipuliert wurde, dann hätten M. und ich das auch getan. Die Richterin erklärte aber noch einmal, dass klein M. nur davon gesprochen hätte was Frau Ex ihr alles gesagt hatte und es kam nichts davon, dass M. ihr auch irgendetwas gesagt hatte. Somit wurde festgehalten, dass Frau Ex weiterhin Kindeswohlgefährdung betreibt und die Kleine manipuliert, wodurch sie sich in einem sehr starken Loyalitätskonflikt befindet. Und da die Kleine sich nicht anders zu helfen wusste, blieb ihr nichts anderes übrig als sich so schlecht über ihren Vater zu äußern. Deshalb also auch das Gutachten. Es sollte sicher gestellt werden, dass wir die Kleine nicht auch manipulieren.

Weiterhin erzählte M. mir, dass Frau Ex sich dieses Mal unter aller Sau benommen hatte. Sie ist der Richterin ständig ins Wort gefallen und wurde zu allen total unhöflich. Frau Ex hatte dafür gesorgt, dass jemand anderes für Frau H. vom Jugendamt kam, weil sie dort behauptet hätte, dass M. und Frau H. sich von früher privat kennen würden. Auch über den Verfahrensbeistand Frau B. schimpfte sie nur. Im Allgemeinen regte sie sich total auf, weil ihr einfach keiner glauben würde und alles total ungerecht wäre. Wieder fing sie davon an, dass M. sie ja nur zurück haben wolle und ein Stalker sei. Selbst M. sagte mir, dass man merkte das sie total verrückt geworden ist. Unsere Anwältin holte dann die Infos über die Anzeigen heraus und zeigte das der Richterin. Die war außer sich, dass Frau Ex so etwas getan hatte. Sie las ein paar der Beweise, die Frau Ex der Polizei gegeben hatte und schaute sie entsetzt an: „Sie wissen aber schon, dass in diesen Nachrichten etwas ganz anderes steht als was sie behaupten?“ Man merkte also, dass Frau Ex schon selbst die Realität nicht mehr richtig wahrnahm und alles verdrehte. Wieder rieten sie Frau Ex dazu sich professionelle Hilfe zu suchen, denn das wäre nicht mehr normal, aber Frau Ex regte sich nur tierisch auf und wollte es nicht verstehen.

Und dann kam noch die Krönung des Ganzen. Frau Ex regte sich darüber auf, dass das Jugendamt nicht das machen wollte, was sie denen aufgetragen hatte. Sie hatte sich nämlich einen Termin geholt, um dem Jugendamt mitzuteilen, dass sie M. sagen sollten, dass Frau Ex mit der Kleinen in eine andere weiter entfernte Stadt umziehen wollte. Da weigerte sich das Jugendamt aber, weil sie nicht einfach umziehen könne. Aber das wollte sie nicht verstehen und regte sich nun bei der Richterin auf, wie es sein könne, dass sie nicht umziehen dürfe. Alle guckten sie mit großen Augen an und auch M. war extrem geschockt. Dann erklärte die Richterin ihr, dass das Teil der gemeinsamen Sorgerechts ist und sie das eigentlich wissen müsste. Danach fragte sie sie, warum sie denn umziehen wollen würde und Frau Ex sagte wegen der besseren Jobchancen.

Da lachen doch die Hühner!

Zuallererst ist Frau Ex ja noch im Anfang des Babyjahres, also warum machte sie sich schon Gedanken wegen eines Jobs? Und dann kam ja noch dazu, dass sie all die Jahre nicht arbeiten gegangen ist und jetzt auf einmal wollte sie wegen der Arbeit noch im Babyjahr umziehen? Ja ist klar! Die Stadt war einfach noch weiter entfernt von uns und sie wollte nichts anderes als M. weiterhin loswerden! Tja Pustekuchen!

Das bedeutete also für das Gutachten, dass es heißt entweder zieht klein M. zu uns, wo sie das schon ein wenig kennt oder sie zieht in eine komplett neue Umgebung. Also hatten wir es nicht mehr ganz so schwer, denn die gewohnte Umgebung, würde sie so oder so verlieren und das war wichtig. Sonst schauen die Gerichte ja danach, dass für die Kinder möglichst wenig Veränderungen zustande kommen, also das gewohnte Umfeld möglichst erhalten bleibt. Das die Kleine ihr Umfeld sowieso verlieren würde ist nicht schön, aber es erhöht unsere Chancen für das Gutachten.

Naja also gut!

Nachdem M. mir alles erzählt hatte, war ich doch nicht mehr so enttäuscht. Wenn die Richterin gleich eine Entscheidung getroffen hätte, wäre es natürlich schöner gewesen, aber so schaffen wir das jetzt auch noch! Es hieß nun also auf den Beschluss für das Gutachten warten. Darin wird dann stehen, welche Person das Gutachten durchführt und welche Fragen durch das Gutachten beantwortet werden sollten. Bis dahin war ich echt aufgeregt, denn ich hoffte auf eine Person die wirklich Ahnung von diesen Problemen hat und ich hoffte das das Ganze nicht zu lange dauern würde. Ich hatte gelesen, dass so ein Gutachten schon mal ein halbes Jahr dauern kann.

Na dann! Wir werden es sehen!

Liebe Grüße,
Rose

4 Gedanken zu “-35- Gerichtsverhandlung #3.4

  1. Hallo Rose,
    ich möchte euch euren Erfolg nicht klein reden, aber vor nicht ganz einem Jahr war ich exakt an der Stelle wie ihr. Situation vergleichbar usw. Ende April wurde dann wegen des von der Kindesmutter beabsichtigten Umzuges ebenfalls eine Gutachterin beauftragt. Mein Anwalt und ich sind da noch grundsätzlich entspannt gewesen, letztlich war die Situation bei uns ebenfalls geprägt von der Kernfrage:
    „Sonst schauen die Gerichte ja danach, dass für die Kinder möglichst wenig Veränderungen zustande kommen, also das gewohnte Umfeld möglichst erhalten bleibt. Das die Kleine ihr Umfeld sowieso verlieren würde ist nicht schön, aber es erhöht unsere Chancen für das Gutachten.“
    Hinzu kam noch die fortbestehende Tatsache, dass die Mutter sich unverändert weigert in den Belangen unserer gemeinsamen Tochter mit mir zu reden. Wie das ganze ausgegangen ist, weißt du und als Begründung wurde angeführt, dass die Mutter sich etwas mehr gekümmert hat um unsere Tochter und sie diese am Nachmittag nach der Schule individuell auffangen und betreuen würde bzw. die Möglichkeiten bei ihr dafür besser sein.
    Jetzt muss Du natürlich wissen bis zum Sommer war die Umgangsverteilung 60% Mama und 40% Papa. Die Therapeutin unserer Tochter hat die Ansicht der Gutachterin, dass es besser wäre wenn unsere Maus nicht in den Hort am Nachmittag nach Schule geht nicht nachvollziehen und mir eine genau gegenteilige Empfehlung mitgeteilt.
    Natürlich hoffe ich von ganzem Herzen, dass klein M. zu euch zieht und endlich Ruhe für euch alle einkehrt, aber für euren Traum ist es definitiv zu früh. Warum hat die Richterin eigentlich keine einstweilige Anordnung erlassen das klein M. jetzt erstmal bei Euch lebt?
    Falls du so was wissen möchtest kannst du mir gerne eine Nachricht schreiben. Wir gebeutelten Väter müssen schließlich zusammenhalten!
    Ich drücke euch die Daumen.

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Roland,
      Du hast ja Recht! Man sollte sich nie zu freuen und eigentlich haben wir das auch nicht getan. Wir wussten, dass es schwierig werden würde und das bei solchen Gutachten am Ende alles mögliche rauskommen könnte, aber wir hatten halt doch die Hoffnung das wir besser dastehen als Frau Ex. Im Internet habe ich aber auch viel gelesen über schlechte und unverständliche Gutachten.
      Die Richterin hatte nichts weiter erlassen, weil sie wollte dass für das Gutachten erstmal alles so bleibt wie es ist und der Gutachter die Probleme so beurteilen kann, wie sie auch vorhanden sind. Das war ja alles im Oktober und bis jetzt ist schon wieder viel passiert, aber alles nach und nach ^^
      Und ja klar! Wir müssen alle zusammenhalten, wenn es um die Kinder geht!
      Danke Roland, dass du uns die Daumen drückst!

      Gefällt 1 Person

    • Hallo Mijoni,
      es wäre absolut schön, wenn man es schaffen könnte, dass wieder ein funktionierendes Miteinander entsteht.
      Aber dazu muss es von allen Seiten gewollt sein und das ist bei Frau Ex wahrscheinlich eher nicht der Fall. Wir werden sehen!
      Vielen lieben Dank fürs Daumen drücken!

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s