-34- Gerichtsverhandlung #3.3

Der Tag war gekommen. Ich war wieder früh wach und sehr aufgeregt, aber nur noch wegen dem was passieren könnte. Alles andere kannten wir ja schon. Personenkontrolle am Eingang, Treppe nach ganz oben, gleicher Flur und gleiche Tür.

Wieder waren wir zuerst dort.

Ich wusste genau, dass M. das gleiche durch den Kopf ging wie mir. Was wird passieren? Wie wird klein M. reagieren? Haben wir überhaupt eine Chance zu gewinnen? Wir standen wieder beide dort, starrten aus dem Fenster und versuchten uns gegenseitig zu beruhigen. Dann sahen wir wie Frau Ex mit der Kleinen und Freundin Nr.1 um die Ecke kam. Mein Herzschlag wurde etwas schneller, denn noch war niemand hier um eventuell zu sehen was passieren könnte. Wir sahen sie dann auf dem langen Flur, aber sie blieben weiter weg von uns auf einer Bank sitzen. Wir lächelten der Kleinen zu und sie schaute traurig weg. Doch M. versuchte mit ihr Kontakt aufzubauen und wank ihr zu. Keine Reaktion. Dann lächelte er ihr immer wieder zu und machte Faxen. Das ganze hinter den Säulen die im Flur verteilt waren. Sie fing doch an zu lächeln und grinste ihn an. Aber als die Freundin Nr.1 das mitbekam, setzte sie sich so vor die Kleine dass sie uns nicht mehr sehen konnte.  M. war wütend, aber ich beruhigte ihn und sagte ihm, dass es nicht ihre Schuld sei. Wir würden ihr nur mehr Ärger bringen, weil es ihr verboten wurde uns anzuschauen oder zu lächeln. Doch niemand war da um es zu sehen.

Laute, kräftige Schritte kamen den Flur entlang

Die Richterin ging zu ihnen. „Hallo klein M.! Kennst du mich noch? Wollen wir mal gemeinsam ins Spielzimmer gehen?“ Nun mussten sie in unsere Richtung gehen, weil wir neben diesem Zimmer standen. „Hast du denn dem Papa schon Hallo gesagt?“, fragte sie die Kleine, während die Beiden auf uns zu kamen. „Nein! Ich darf nicht!“, kam ohne zu zögern aus ihrem Mund und die Richterin schaute ganz erschrocken. Sie gingen an uns vorbei und das höchste der Gefühle war, dass sie mit M. im Vorbeigehen abklatschte. Währenddessen gingen sie in das Spielzimmer und die Richterin fragte nochmal nach: „Also du darfst nicht Hallo sagen?“ „Nein! Mama will das nicht!“, antwortete die Kleine und die Tür wurde geschlossen.

Als wir da so standen und versuchten dies erstmal schon kurz zu verarbeiten, kam unsere Anwältin endlich dazu. Wir erzählten ihr davon und auf einmal standen wir alle drei dort und lächelten. Das kann doch nur schonmal gut für uns gewesen sein! Ein paar Minuten später ging die Tür auf und die Richterin kam aufgeregt heraus. „Ist der Verfahrensbeistand Frau B. schon da?“ Ihr Schritt wurde noch kräftiger als vorher und sie ging Frau B. entgegen. Auf dem Weg zurück ins Zimmer, bekam ich mit wie sie leise zu Frau B. sagte, dass sie sich das anhören müsse und die Tür ging wieder zu. Wir guckten uns mit großen Augen an. Irgendwie war die Richterin leicht wütend?!

Was passiert hier?

Nach weiteren langen Minuten ging die Tür wieder auf. Ich glaube, ich starrte die Richterin mit offenem Mund an. Ihr Schritt wurde noch kräftiger und sie stürmte direkt auf Frau Ex und dessen Anwältin zu. „Wer ist hier Freundin Nr.1? Passen sie auf die Kleine auf? Wollen sie noch mit ihr nach Hause fahren? Das dauert hier heute! Ich sag ihnen, das dauert heute lange!!“, sehr wütend stürmte sie wieder zurück und öffnete den Sitzungssaal. Danach ging sie nochmal zu klein M. und beugte sich zu ihr runter. Sie fasste sie links und rechts auf die Schultern und sagte ihr in die Augen: „Du darfst dem Papa Hallo sagen! Du darfst auch der Rose Hallo sagen! Du darfst den Papa und Rose lieb haben! Das entscheidest ganz allein du!“ Mir schossen sofort die Tränen in die Augen und als ich M. anschaute, ging es ihm ganz genauso. Wir nahmen uns noch einmal in den Arm, ein Kuss und dann ging er mit unserer Anwältin hinein. Die Freundin Nr.1 schnappte sich die Kleine gleich und verschwand im Spielzimmer.

Nun saß ich da wieder. Selber Platz, selbe Bank, selber menschenleerer Flur. Mir liefen noch ein paar Tränen die Wange herunter und dann atmete ich tief ein und aus. Mein Bauchgefühl war mein ständiger Begleiter und auch dieses Mal sagte es mir leise, dass alles gut werden würde und ich stark bleiben sollte. „Du schaffst das!“

Schon kurz darauf hörte ich die Richterin in dem Raum nur brüllen. Ich konnte leider nichts verstehen, aber sie hörte sich sehr sehr wütend an. Bestimmt die erste halbe Stunde ging das so und danach wurde es etwas ruhiger. Dann ging nach einiger Zeit die Tür vom Spielzimmer auf. Ungeduldig schaute die Freundin Nr.1 immer wieder zur Tür. In meinem Kopf ging es nur: „Was hat sie daran nicht kapiert? Die Richterin sagte, dass es heute lange dauert?“ Also nach nicht mal einer Stunde konnte das noch nicht lange sein. Durch die offene Tür konnte ich die Kleine sehen und wenn sie mich ansah, lächelte ich sie ganz normal an. Sie war wie ein wildes Tier. Scheu und zögerlich pirschte sie sich immer ein kleines Stück näher an mich heran. Der Freundin Nr.1 passte das natürlich gar nicht, aber außer böse zu gucken, machte sie erst einmal nichts.

Als die Kleine dicht genug bei mir war, kam sie die letzten Schritte ohne zu zögern. „Hast du was zum Malen dabei?“, fragte sie mich und zeigte auf meine Handtasche. Leider hatte ich dieses Mal nichts dabei, aber sie wusste, dass ich sonst etwas mit hatte wenn wir mal weggefahren sind. Dann ging sie erst wieder kurz spielen und kam etwas später wieder zu mir. Sie fragte mich nach etwas zum Essen, weil sie Hunger hatte. Leider hatte ich auch nichts zum Essen dabei, aber ich bat sie die Freundin Nr.1 zu fragen. Und ja sie hatten etwas mit, aber das hatte Frau Ex in ihrer Tasche, die sie mit in den Sitzungssaal genommen hatte. Zuerst überlegte ich dann mit ihr in die Kantine des Gerichts zu gehen, aber ich war mir unsicher. Ich wollte keinen weiteren Ärger verursachen. Also blieb ich sitzen und klein M. setzte sich neben mich. Wir schauten auf meinem Handy ein paar Bilder an, von unseren Hunden und von Unternehmungen, die wir zusammen gemacht hatten. Die Freundin Nr.1 zog die ganze Zeit ein angepisstes Gesicht.

Die Tür ging auf!

Der Verfahrensbeistand Frau B. und die Vertretung vom Jugendamt für Frau H. kamen aus dem Raum. „Ach ne! Da sitzt sie bei Rose!“, kam total überraschend von Frau B.. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, dass die Kleine bei ihrer Befragung ausgesagt hatte, dass sie mich nicht leiden könne. Frau B. wusste ja längst dass das nicht stimmte, aber es war ihr eine Wohltat das noch mit offener Tür laut auszusprechen, weil sie eben doch bei mir war und mich mochte. Danach kamen sie zu uns und verabschiedeten sich. Sie sagten nichts über das Ende der Verhandlung. Sie wünschten uns nur alles Gute und gingen.

Die Tür blieb dann allerdings zu und nun saßen wir beide da. Die Kleine fragte mich dann nach M. und wollte ihn dann doch gerne sehen. Ich sagte ihr, dass sie ihn ja dann mal ganz doll in den Arm nehmen kann, wenn er wieder aus dem Raum kommt und sie freute sich darauf. Langsam sind über zwei Stunden vergangen und wir wurden alle echt ungeduldig. Die Freundin Nr.1 fand das dann doch nicht mehr so witzig, dass die Kleine bei mir war und versuchte sie zu sich zu rufen. Sie ging auch hin. Sie sollte dann bei ihr sitzen bleiben und auf Mama warten, aber sie kam trotzdem wieder zu mir. Also warteten wir weiter und versuchten uns die Zeit zu vertreiben.

Wann geht denn endlich diese Tür auf?!

Liebe Grüße,
Rose

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