-30- Vom Regen in die Traufe #4

Nun war es endlich wieder soweit! Nach 5 Wochen war nun wieder das Wochenende gekommen, wo wir uns wieder auf den Weg machten um klein M. zu besuchen. Und auch wie zu erwarten bekam M. wieder eine Nachricht von Freundin Nr.2:

„So wie immer? 19 Uhr Aldi-Parkplatz?“

M. schickte nur den Daumen hoch und los ging es. Wir freuten uns eigentlich sehr und hatten auch wieder geplant ins Schwimmbad zu fahren. Es hatte uns dort sehr gut gefallen und klein M. auch. Aber wir konnten wie immer nicht ahnen, was dieses Mal wieder auf uns zukommen würde.

Dort angekommen warteten wir einen Augenblick auf dem Parkplatz bis wir Freundin Nr.2 und klein M. vom Weiten kommen sahen. Wir sahen uns direkt in die Augen, als wir sahen dass die Kleine sich wieder hinter der Freundin versteckte und wir wussten das das nichts Gutes bedeuten würde. So wie schon zuvor, kam klein M. wie ein Roboter auf uns zu: „Papa ich will nicht mit!“ und wieder fing die Freundin Nr.2 an uns voll zu quatschen, dass sie ja schon die Ganze Zeit versucht hätte sie zu überreden, aber ihr Sohn muss ja auch nicht mit….Blaaaaa, ja wir wissen es!

M. ignorierte sie direkt und sprach mit der Kleinen. Er frage sie, warum sie denn nicht mit fahren wolle? Und schon schoss es wie aus einer Pistole, „Mama und Papa P. haben gesagt, ich soll nicht mitgehen!“ Völlig panisch fiel ihr die Freundin sofort ins Wort, aber M. bat die Kleine das noch einmal zu wiederholen und das tat sie auch. Die Freundin allerdings versuchte uns weiß zu machen, dass die Kleine etwas verwechseln würde. Sie würde den Unterschied zwischen wollen und sollen nicht kennen und immer wieder sagte sie zu ihr, dass sie nicht glaube das Mama das gesagt hätte, aber die Kleine sagte „Doch!“ M. versuchte klein M. zu erklären, dass wir sie aber dieses Mal mitnehmen werden, weil sie muss. Die Kleine wurde unglaublich wütend und wusste scheinbar selber nicht was mit ihr passierte. Sie schimpfte und schrie um sich:

„Papa P. hat gesagt ich soll nicht mitgehen!“
„Er hat gesagt Mama ist ganz traurig, wenn ich mitgehe!“
„Du hast bei uns Hausverbot, weil du Mama immer nur weh tust, sagt Papa P.“
„Mama sagt, wenn ich sage dass ich nicht mit will, dann darf ich noch bei Freundin Nr.2 bleiben und spielen.“
„Papa P. schimpft wieder mit mir, wenn ich mitgehe. So wie beim letzten Mal!“
„Wenn Papa P. dich sieht, dann boxt er dich so lange bis du tot bist!“
„Sie sagen es ist nicht schön bei euch, deswegen will ich da auch nicht hin!“
„Sie sagen ich soll sagen, dass ich nicht mit will, weil sie nicht wollen das ich mitgehe.“

Immer wieder wiederholte sie das alles und unsere Versuche sie zu beruhigen scheiterten. Die Freundin Nr.2 wurde immer aufgeregter und aufgeregter. Sie stammelte mich immer wieder von der Seite voll, dass die Kleine da etwas verwechseln würde und sie das nicht zu ihr gesagt hätten. Wir wussten ja auch, dass der Verfahrensbeistand zu uns gesagt hatte das wir sie nicht mehr dalassen und unbedingt mitnehmen sollten. Also sagte M. der Kleinen, dass sie jetzt entweder freiwillig ins Auto steigen könne oder sie auf den Arm nehmen und hintragen würde.

Es war so hart…

Ja es klingt schrecklich und es war auch für uns hart, aber wir wussten uns nicht anders zu helfen. Also nahm M. sie auf den Arm und sie fing an zu weinen. Sie rief, dass sie nicht mitgehen dürfe, aber gleichzeitig klammerte sie sich an M. und verlangte nach Trost. Während er sie ins Auto setzte, fing plötzlich die Freundin Nr.2 an zu schimpfen. Wir könnten das nicht tun und das wäre für das Kindeswohl nicht gut und alles. Ich musste schlucken und kam ihr dann vielleicht doch ein bisschen Nahe. Ich sah ihr tief in die Augen und sagte ihr unter Tränen:

„Für uns ist das hier auch gerade nicht einfach! Aber was hier gegen das Kindeswohl ist, hast du gerade selber mitbekommen. So etwas denkt sich ein Kind nicht aus und verwechselt hat sie auch schon mal gar nichts! Nicht wir, sondern Frau Ex tut ihr das hier gerade an! Ich hoffe für sie, dass sie das Echo ab kann! Und du? Du gehst jetzt!“

Mit großen Augen schaute sie mich an und stammelte, dass sie ja nicht gehen können wenn klein M. so weinen würde. Aber ich sagte ihr noch einmal ganz deutlich, dass sie jetzt gehen solle und das tat sie meckernd und widerwillig auch. Dann sah ich wie M. zitternd ums Auto ging um einzusteigen. Die Kleine schrie und weinte immer noch, aber sie saß angeschnallt im Auto. Ich stieg dann ebenfalls ein und wir fuhren los, obwohl sie schrie, dass sie nicht mitfahren dürfe.

Als sie dann mitbekam, dass wir schon längst ein paar Straßen entfernt waren, beruhigte sie sich ein wenig. M. redete mit ihr und ich fuhr einfach, aber mir liefen die Tränen nur so über die Wangen. Er sprach mit ihr darüber, dass sie sonst doch gerne bei uns wäre und sie stimmte auch zu, aber „Papa P. hat gesagt, du hast mich gar nicht lieb und willst mich nicht haben! Das du nicht mein Papa bist!“ Daraufhin drehte M. sich zu ihr um und sagte ihr ganz deutlich, dass er sehr wohl ihr Papa sei und das wir jedes Mal nur den weiten Weg fahren würden um sie zu besuchen, also er sie auch ganz doll lieb hätte. Noch einmal fing sie kurz an zu weinen und sie stammelte:

„Aber Mama lügt mich doch nicht an.“ 

Danach beruhigte sie sich und war wie auf Knopfdruck ganz verändert. Plötzlich freute sie sich wieder und fragte uns, was wir denn dieses Mal machen würden. Doch ich konnte mich gar nicht so richtig beruhigen. Es versetzte mir einen Stich, denn jetzt war es für mich endgültig erledigt, dass Frau Ex noch irgendwie Mutterliebe in sich hätte. Kinder lieben ihre Eltern bedingungslos und vertrauen ihnen blind. Egal wie böse, wie trügerisch und fremd alle anderen Menschen sein könnten, Mama und Papa sagen immer die Wahrheit und würden dem Kind nie Schaden zufügen. Und dann sah ich die Kleine vor mir, die so verzweifelt weinte und gar nicht wusste was mit ihr passierte. Denn woher sollte sie es auch wissen, sie würde nie im Leben daran denken, dass es ihre eigene Mutter ist, die ihr das Messer in den Rücken rammt.

Aber das musste ich erst einmal mit mir ausmachen und dann hatten wir trotzdem ein schönes Wochenende! Natürlich informierte M. auch den Verfahrensbeistand Frau B. und Frau H. vom Jugendamt über diese Übergabe. Und wir waren froh, dass unser Antrag schon abgeschickt war und es nun wieder Hoffnung gab. Es musste ein Ende finden!

Liebe Grüße,
Rose

 

3 Gedanken zu “-30- Vom Regen in die Traufe #4

  1. Loyalitätskonflikt hoch zwei. Mama lügt mich doch nicht an!!!
    Bei uns hat es fast 10 Jahre gedauert… bis die Kinder, die Tragweite erkannt haben.. dass die Mutter gelogen hat… mit den gleichen simplen Aussagen! Mama ist ganz alleine, was soll ich denn ohne dich machen… u.s.w….
    Schlimm… hinterläßt ganz tiefe Spuren auf der Kinderseele.

    Gefällt 2 Personen

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