-19- Die Kindesübergabe…

…wie man es so schön nennt, kann so unterschiedlich aussehen. Es gibt die unterschiedlichsten Lösungen wie man die Übergabe gestalten kann. Aber bei uns gab es ja eigentlich keine Probleme. Dachten wir jedenfalls…

Wir hatten eigentlich gar keine Zweifel!

Also für den nächsten Umgang nach Ostern, hatte sich der Verfahrensbeistand Frau B. für die Übergabe angekündigt. Sie machte mit M. ab, dass er 20 Minuten bevor wir da sein würden, ihr eine SMS schicken würde und sie sich dann auf den Weg machen würde. Das war ja auch für uns kein Problem. Wie immer waren wir also auf der Fahrt dorthin und natürlich waren wir aufgeregt, aber wir machten uns eben keine Sorgen. Das Kind, was angeblich nicht zu uns wollte, gab es ja nicht. Frau Ex hatte gelogen und klein M. kam immer freudestrahlend auf uns zu, wenn wir sie abgeholt haben. Und klar hatten wir daran gedacht, dass Frau Ex sie vielleicht jetzt manipuliert haben könnte, aber sie hat es die ganze Zeit nicht getan und deshalb konnten wir uns nicht vorstellen, dass sie es jetzt tun würde. Wir dachten das da irgendwo ein Grenze ist. Lügen und sowas ja, aber das eigene Kind sozusagen seelisch verletzten, da muss man schon skrupellos sein.

Wir hatten uns getäuscht…

Ich muss sagen, dass ich schon die ganze Zeit so ein komisches Bauchgefühl hatte, aber ich habe dieses mal nicht darauf gehört. Ich konnte es mir nicht vorstellen!
Naja, als wir dann angekommen waren, war Frau B. auch schon vor Ort. Wir begrüßten uns und stellten uns vor. Sie erzählte noch einmal, dass sie ja schon ein Gespräch mit klein M. geführt hätte. Weiterhin wollte sie wissen, warum es eigentlich dazu gekommen ist, dass Frau Ex und M. auf einmal solche Probleme haben. Tja, wir mussten ihr erklären das wir das selber nicht wussten. Ohne Grund hatte Frau Ex verboten, dass wir klein M. sehen durften. Und dann ging es ja zum Gericht, auch da keine Erklärung.

Dann ging die Tür auf und klein M. kam an der Hand der Freundin heraus, hinter ihnen Frau Ex und ihr Mann. Wir schauten uns ganz erschrocken an. Dann kamen die Freundin und klein M. ganz langsam zu uns gelaufen. Klein M. schaute auf den Boden. Bei uns angekommen, sagte M. ihr Hallo, aber sie reagierte kaum. „Guck mal!“, sagte klein M. und M. fragte sie was sie denn da habe. „Ein Taschentuch! Ich habe geweint, weil ich nicht mit will.“ Da unterbrach die Freundin sie und erzählte uns, dass sie die ganze Zeit geweint hätte, weil sie gar nicht zum Papa möchte. Ich stand wie gelähmt da.
Frau B. reagierte toll, ging zu klein M. und redete ihr gut zu. Das es doch wieder schön beim Papa wird und das wir bestimmt was tolles unternehmen.

Plötzlich lächelte sie und sprang M. in die Arme. Ich hörte nur, wie sie dann zu ihm die übliche Frage flüsterte, „Fahren wir wieder zu euch nach Hause und machen Urlaub?“
Die Freundin guckte alles andere als begeistert. Dann kam ihr Befehlston und sie wollte, dass ich mit klein M. ins Auto gehe, sie hätte mit M. noch etwas zu besprechen. Eigentlich gefiel mir dieser Ton gar nicht, aber das war es nicht wert. Also bin ich mit der Kleinen zum Auto gegangen, welches ja nur ungefähr 5 Meter entfernt war. Noch während ich sie in ihren Kindersitz setze, hörte ich wie die Freundin anfing M. anzuschreien.

Ich musste mich zusammenreißen!

Ich versuchte klein M. zu beschäftigen. Zwischendurch kam Frau B. immer wieder mal zu uns und fragte mich einige Dinge. Ich war so angespannt und unter Stress, dass ich ohne nachzudenken frei heraus antwortete. Sie fragte z.B. wie klein M. zu mir sagen würde? Ich sagte, na Rose. Und sie erzählte dann, dass sie sich schon gefragt hatte, wer Rose sei. Bei ihrem Gespräch hätte klein M. erzählt, dass Rose eine ganz liebe ist und immer nett. Sie lächelte uns zu und ging wieder zurück. Es war allerdings nicht zu überhören und zu übersehen wie die Freundin mit M. sprach. Klein M. fing dann plötzlich an zu weinen und ich konnte sie nicht beruhigen. Ich wusste nicht was los war und war selbst total überfordert. Die ganze Zeit drehte sich alles in meinem Kopf.

Was ist hier bloß los?

Dann kam M. zum Auto und wir tauschten. Er ging zu klein M., um sie zu beruhigen. Ich kam aus dem Auto hoch und sah, dass die Freundin weg war. Frau B. stand nun vor mir und es brach aus mir heraus. Ich fing an zu weinen und zitterte am ganzen Körper. Ich stammelte vor mich hin, dass das so nie ist, das ist nicht richtig. Sie fasste mir links und rechts an die Schultern. „Ganz ruhig, tief ein und ausatmen! Und jetzt erzählen sie.“
Ich erzählte ihr dann, dass die Freundin normalerweise nie kommt und nur einmal bis heute dabei war. Sonst blieben Frau Ex und ihr Mann am Hauseingang stehen und wir am Parkplatz. Dann kam klein M. immer freudig zu uns und das gleiche sonntags andersherum. Alles ohne Probleme. Ich konnte nicht verstehen, was hier gerade passierte.

Nun kam M. aus dem Auto hoch und schaute uns mit Tränen in den Augen an.
„Haben sie das gehört?“ Nein wir haben beide nichts gehört. Er erzählte uns dann, dass die Kleine gerade erzählt hätte, das Frau Ex ihr gesagt hätte, sie solle weinen und sagen das sie nicht zu uns will. Daraufhin wollte Frau B. noch einmal mit klein M. sprechen und ging zu ihr ins Auto. Währenddessen fiel M. mir in die Arme und legte seinen Kopf auf meine Schulter. Er weinte nicht, aber er war wahrscheinlich genauso fertig wie ich.

Auf einmal kam die Freundin wieder um die Ecke und rief uns zu, ob etwas mit klein M. nicht in Ordnung sei? „Alles gut“, rief ich ihr zu. Innerlich hätte ich aber platzen können und ihr am liebsten gesagt, sie soll zusehen das sie weg kommt. Tja und sie fragte auch echt noch einmal nach, ob wirklich alles gut ist? Denn sie sah ja auch, dass M. in meinen Armen lag und die Kleine im Auto mit Frau B. saß. Etwas ernster rief ich ihr wieder zu, dass alles gut sei, denn ich wollte einfach das sie abhaut.

Sie blieb stehen.

Als Frau B. aus dem Auto kam, schickte sie uns los. Wir sollten uns alle beruhigen und erst einmal losfahren. Das taten wir dann auch. Aber wir waren noch gar nicht weit gefahren, da fing klein M. wieder schrecklich an zu weinen.
„Mama hat gesagt, ihr fahrt mit mir weg und bringt mich nie wieder nach Hause.“
Sie hatte wirklich Angst davor, denn ihr wurde auch eben mit Absicht diese Angst gemacht, um das gewünschte Ziel zu erreichen, dass sie eben sagt, sie will nicht mit uns mitfahren. Wir versuchten sie zu beruhigen und erklärten ihr, dass wir sie doch immer wieder nach Hause gebracht haben. Dann ging es wieder.

In der Ferienwohnung angekommen nahm die Kleine mich ganz fest in den Arm und danach drückte sie auch M. ganz fest und sagte:

„Ich habe Angst euch zu verlieren. Ich habe euch lieb.“

Da brach es mir für diesen Tag endgültig das Herz. Meiner Meinung nach sollte ein 4 jähriges Kind keine Angst haben, dass es seinen Papa verliert. Darüber sollte es nicht einmal nachdenken müssen. Aber scheinbar hatte sie einen Grund dazu.

Abends im Bett erzählte M. mir dann was die Freundin überhaupt von ihm wollte. Er wusste nicht mehr alles, aber z.B. hätte klein M. angeblich erzählt, dass sie zu mir Mama sagen muss. Frau Ex würde das unter keinen Umständen wollen, das sie mich Mama nennt und all sowas. Es war zu viel, sagte er. Sinnlose Vorwürfe.
Ich erzählte ihm dann, dass Frau B. mir wahrscheinlich deswegen ab und an ein paar Fragen gestellt hatte. Unter anderem ja auch wie die Kleine mich nennt. Damit hatte sie wahrscheinlich gleich geprüft, ob da was dran ist. Echt klasse Frau, dachten wir uns.
„Ja“, erzählte M. „Die Freundin war total angepisst und unhöflich zu ihr. Als Frau B. kam und gesagt hatte, dass dieser Streit jetzt hier nicht hingehört, hatte die Freundin nur zu ihr gesagt: Wozu sind sie denn hier? Das Kind will doch nicht zum Papa!
Danach ist Frau B. sauer geworden, hatte die Sache beendet und die Freundin weggeschickt. Die ist natürlich motzend zu Frau Ex gegangen.“ Man man man….

Auch in dieser Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen. Es fiel mir schwer zu verarbeiten was an diesem Tag passiert war. Frau Ex hatte doch diese Grenze überschritten. Wir schwirrte die ganze Zeit durch den Kopf, wie weit sie wohl noch gehen würde.

Damals wussten wir noch nicht, wie das alles noch weitergehen würde….

Liebe Grüße
Rose

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