-11- Gerichtsverhandlung #1.2

Also Frau Ex war nicht da. Totenstille auf diesem riesigen Flur vor dem Saal.
Ich war so nervös. Ich fühlte mich wie gelähmt. In diesem Moment ging einem all das, was man die letzten Monate durchgemacht hat, durch den Kopf.
Das Warten war schrecklich. Doch dann laute, schnelle Schritte auf dem Flur.

Ist das die Richterin?

Ja das war sie. Mein erste Gedanke war: „Wow“. Ich kann es schwer beschreiben, aber ich habe sie gesehen und wusste sofort, dass sie es drauf hat. Von der ersten Sekunde an, gab sie einem mit ihrem ganzen Auftreten schon das Gefühl, dass sie weiß was sie tut. Das gab mir das Vertrauen darin, dass es fair laufen wird und das alles gut werden wird.

Leider musste ich ja draußen warten. Also saß ich da nun auf der Bank in diesem riesigem menschleeren Flur und wartete. Und ich kann euch sagen, es war eine Qual. Es war ein schreckliches Gefühl nicht zu wissen, was nun passiert.
Diese ganzen Gedanken, die einem durch den Kopf gehen. Immerhin war es ja auch noch unklar, was nun passiert, da Frau Ex nicht gekommen ist. Wird die Verhandlung jetzt wieder verschoben? Kann es überhaupt eine Entscheidung geben? Fragen über Fragen.

Eine laute Stimme aus dem Saal…

Oha, da ist die Richterin doch gerade laut geworden. Ob sie M. so angeschrien hat? Noch mehr Fragen! Ätzend! Das Warten wurde unerträglicher, je länger es dauerte.

Aber dann ging endlich die Tür auf! Zuerst kam der Anwalt von Frau Ex raus. Er lächelte mir zu und ging sofort zum Ausgang. Also was sollte mir das jetzt sagen?
Dann kam Frau H. heraus und naja ihr Gesichtsausdruck war genauso nichtssagend wie der vom Anwalt. Sie sagte mir noch Tschüss und ging dann.
Und dann kam M. mit seiner Anwältin heraus. Mein Herz klopfte ohne Ende und ich zitterte. Er kam auf mich zu und auch aus seinem Gesicht konnte ich nichts herauslesen.

Und? 

„Alles gut!“… Wie alles gut? Was heißt das? M. erzähl doch!
„Naja also wir haben den Umgang genauso bekommen wie wir ihn vorgeschlagen haben.“ Genauso? Mit Urlaub? „Ja“ Mit Weihnachten und Ostern? „Ja“
Alle 2 Wochen? „Ja“ Ich spürte wie mir die Tränen in die Augen schossen und ich sagte nur Nein und konnte es gar nicht glauben. Ich schaute zur Anwältin und fragte sie, ob das wirklich stimmt. Sie lachte und bestätigte mir das nochmal. Und dann musste auch ich lachen obwohl ich noch Tränen in den Augen hatte. Wir waren so überglücklich und diese Gefühle waren unbeschreiblich.

„Gleich nächstes Wochenende können wir klein M. sehen. Und danach sind gleich die Winterferien und da haben wir eine Woche Urlaub!“
Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte vor Freude! M., du musst mir alles erzählen! Was ist in der Verhandlung passiert?

Zuerst erzählte die Richterin, dass Frau Ex schon zum zweiten Mal bei ihr angerufen hätte. Beim ersten Mal erzählte sie ihr, dass sie schwanger sei und es ihr gar nicht gut gehen würde. Die Richterin verschob aufgrund dessen den ersten Termin und sagte ihr, dass sie zum Zweiten aber erscheinen müsse.
Und naja auch vor dem Zweiten rief sie wieder an, dass sie im Krankenhaus liegen würde, weil sie jetzt in einer Risikoschwangerschaft ist, da sie das alles zu sehr belasten würde. Dafür hatte die Richterin allerdings kein Verständnis mehr.
Des Weiteren erfuhr M. dann auch, dass sie auch geheiratet und nun einen anderen Nachnamen hat.  Also ich kann euch sagen, allein darüber war ich schon sprachlos. Sie und ihr Mann haben sich ja gerade mal vor einem halben Jahr kennengelernt.

Dann sagte Frau H. ein paar Worte. Sie war dafür, dass Umgang wieder stattfinden sollte. Danach war M. an der Reihe. Er legte unseren großen Ordner auf den Tisch und holte die Beweise heraus. Daraufhin bekam der Anwalt von Frau Ex den Brüller ab, den ich draußen hörte. Es stellte sich also heraus das Frau Ex gelogen hatte. Dann wusste ihr Anwalt nicht mehr was er sagen oder tun sollte. Da auch kein Gegenvorschlag von Frau Ex kam und das Thema, dass gar kein Umgang stattfindet nicht im Raum stand, wurde unser Vorschlag Punkt für Punkt durchgegangen.
Normalerweise hätte Frau Ex immer etwas sagen können, aber da sie nicht da war, musste ihr Anwalt für sie antworten. Der schien aber etwas überfordert zu sein, weil sie ihn mit ihren Lügen so auflaufen lassen hat. Deshalb bestätigte er jeden Punkt damit, dass sie damit einverstanden wäre. Somit kam es dazu, dass unser Vorschlag eins zu eins so genommen wurde. Die Richterin fand unseren Vorschlag sowieso sehr gut und fair, sagte M..

Und nun standen wir da. Die Anspannung der letzten Monate fiel einfach so ab und man konnte nicht aufhören zu lachen. Gleichzeitig war man aber doch irgendwie aufgeregt und konnte es gar nicht mehr abwarten bis es endlich nächstes Wochenende ist. Wir sehen klein M. endlich wieder!

Wie sie wohl reagieren wird? Ob sie sich freut?

Liebe Grüße
Rose

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